Ich studiere Wirtschaft in Bochum, im gleichen Kurs studieren zwei türkische junge Männer, wir fahren häufig mit der gleichen Bahn und verstehen uns eigentlich recht gut. Bei einer dieser Bahnfahrten kamen wir auf Kafka zu sprechen und im Laufe des Gespräches kam dann heraus, dass ich Jude bin. Die beiden schienen interessiert und so kam es zu einigen Unterhaltungen über das Thema. Als wir über den Gijur sprachen merkte ich plötzlich, dass etwas nicht stimmte. Nicht nur, dass das Wissen über das Prozedere unrichtig war, sondern der Sinn und Zweck wurde von meinem Gesprächspartners falsch gedeutet. Es fielen Worte wie Freimaurer, Loge und Geld und dann lief aus aus der Ruder. Hintergrund war die in der Türkei laufenden Fernsehserie „Tal der Wölfe“ und des Kino-Films Tal der Wölfe – Irak, der nun auch bei Amazon in eine Synchronfassung erhältlich ist.

Ich glaubte meinen Ohre nicht, als ich hörte, dass angebliche jüdische Freimaurer, Politiker schmieren und die strengen Regeln des Gijurs, eigentlich nur dem Zwecke dienen Menschen, die kein Geld bzw. Macht haben vom Judentum fern zu halten. Da mein Gesprächspartner meinte, der Film würde „die Wahrheit zeigen“ habe ich mir die aktuelle DVD besorgt und angeschaut. Meine Amazon-Rezension möchte ich, außerdem hier veröffentlichen. Im Vorfeld möchte ich sagen, dass der Film aus meiner Sicht zu Recht keine Jugendfreigabe erhielt. Bei DVDSwop oder Hitflip sucht man den Film also vergeblich, wobei ich mir bei Hitflip nicht ganz sicher bin, die führen nämlich auch DVDs ab 18.

Das „Werk“ erhebt den Anspruch eines gehobeneren Action-Film, nicht überraschend, entstammt es doch einer nun 97 Folgen starken, gleichnamigen Serie aus der Türkei mit über 3 Millionen Zuschauern. Mit Kosten von über 8 Millionen Euro ist es ebenfalls einer der teuersten türkischen Filme überhaupt.

Polat Alemdar, als Geheimagent des fiktiven türkischen Geheimdienstes KGT kämpft nun nicht, wie in der Serie gegen die Mafia. Wobei die Mafia nicht selten aus Freimaurern und Juden besteht, sondern er kämpft nun gegen die Amerikaner, wobei der Film keine Zweifel lässt, dass diese das fleischgewordene Böse sind. Der Film trieft vor schlecht gemachter Propaganda. Da rollt der beleidigte türkische Kommandant, mit Tränen in den Augen schon mal ein Türkei- Fähnchen ein, um es vor den bösen Amerikanern zu retten. Denn diese werden, wie könnte es anders sein, von Juden dazu angestiftet, irakische Hochzeiten platzen zu lassen, die Leute in Käfige zu stecken und auf dem Weg zu einem (natürlich) jüdischen Arzt, der den Gefangenen die Organe entnimmt, um Sie nach London, New York oder Tel Aviv zu schicken, zu ermorden. Nach getaner Arbeit, dem Quälen der moslemischen Welt, stellvertretend der irakischen, zündet sich Sam W. Marschall entweder eine Zigarre an, summt die US-Hymne oder betet vor einem kitschigen Altar zu Jesus, in dessen Namen er dies alles selbstverständlich tut, um ein christliches Gottesreich zu errichten (Huch!).

Der türkische, immer frisch rasierte Haudrauf, der in seinem BMW, in einer der ärmsten Regionen des Iraks reist, um die türkische Ehre zu retten ist das totale Gegenteil. Er trieft vor Nationalstolz, Gerechtigkeitssinn und diplomatischen Empfinden. Er behält stets die Nerven und spricht von Frieden, auch dann wenn er mit seinen Kumpanen Sprengstoff an die Grundpfeiler, eines gut besuchten Hotels anbringt. Tut er dies, so geht es ihm nur darum „Das niemand verletzt wird“ und ein paar von Ihm abgestochene Zöllner an der von den Türken besetzten 15Km breiten Grenze zum Irak sind keiner Rede wert. Sie sind Kollateralschaden für das Wohl der türkischen Nation, sie sind korrupter Abfall.

Dies alles wäre ja auch nicht so schlimm, was will man von einem drittklassigen B-Movie schon erwarten, wäre da nicht die unrealistische Action. Unser Held stolziert durch eine Armee von Soldaten, durch die Grenzen eines noch vor Kurzem von Krieg gebeutelten Staates, er versteckt sich mit einer riesigen Knarre auf dem Dach eines Hauses ohne entdeckt zu werden, oder brilliert im Häuserkampf gegen US-Söldner, die so auf Anabolika zu sein scheinen, dass man ein Dorf in Kleinasien damit ein Jahr lang durch den Winter kriegen könnte. Die Straßen wirken steril, die Gesichtsausdrücke scheinen dafür einem Bollywood-Film entliehen worden zu sein.

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