Auf einem umgerüsteten Lastwagen steht Cabelman und wippt nervös hin und her, ein Mikrofon hat der dürre Mann mit Pelzmütze nicht in der Hand, seine Worte müssen für die Anwesenden noch in ein solches gesprochen werden. „Berlin ist meine Vaterstadt, mein Vater war Berliner“ krächzt Cabelman, „Berlin ist meine Vaterstadt, mein Vater ist ein echter Berliner“ wird er übersetzt. Über den Köpfen weht eine iranische Flagge und die Menge applaudiert. Cabelman zieht eine Parallele zwischen der Berliner Mauer und dem Sperranlage in Israel, beide so Cabelmann entzweien Menschen, entzweien Völker. Ostberliner haben sich nach Westberlin gesehnt, die Menschen in Gaza sehnen sich nach Jerusalem, das eine Heilige Stadt für Muslime, Juden und Christen darstellt. „Niemand hat in den vergangenen 60 Jahren unter der selbsternannten Herrenrasse, [Anm. gemeint ist Israel]“ mehr gelitten als das palästinensische Volk. Quelle Es ist der Tag der kruden Vergleiche, der Relativierung und Geschichtsrevision, es ist Al-Quds Tag.

Hinter ihm, nur schlecht zu erkennen ein Banner mit der Aufschrift „Gegen Zionismus und Antisemitismus“, wie ernst gemeint das Motto ist führt die Teilnehmerliste des Al-Quds Tags vor Augen, die sich wie das „Who is Who“ des Antisemitismus liest. Von Hissbollah bis hin zur rechtsextremen DVU waren alle anwesend. Selbst der Veranstalter, die „Quds-AG“ wird vom Verfassungsschutz beobachtet. So verwundert die Feststellung des Verfassungsschutzes nicht, die Teilnehmer hätten „antisemitische Parolen“ skandiert. Quelle

Auch Kommunisten nehmen an den Aufmärschen der Quds-AG gern teil, so etwa der „umstrittene Berliner Publizist Jürgen Elsässer“, der mit einer „Volksinitiative“ das „internationale Finanzkapital“ entmachten will. „Kritiker werfen Elsässer vor, eine sogenannte Querfrontstrategie – ein Bündnis von Linken und Neonazis – voranzutreiben. Zwar distanziert er sich von rechtsextremen Parteien wie der NPD, trotzdem wirken seine anti-amerikanischen und anti-israelischen Veröffentlichungen anziehend auf rechte Kreise. An der Gründungsveranstaltung seiner „Volksinitiative“ im Januar in einer Kreuzberger Kneipe nahmen mehrere Anhänger der rechtsextremen Szene teil.“ Quelle

Im Jahre 2009 wurden rund 600 Demonstranten, die dem „schiitisch-extremistischen Spektrum zugeordnet wurden“ am Al-Quds Tag gezählt.

Cabelman selbst gibt die Zahl der Teilnehmer höher, mit 800 bis 1000, an. Auf einer auf seiner Webseite veröffentlichten Fotografie umarmt er väterlich einen Jungen, der seinerseits die Flagge des Hissbollah in den Händen hält.

Quelle 1/Quelle 2

Die schiitische Terrormiliz, die Israel mehrfach angegriffen hat und Kindermörder als Märtyrer feiert scheint für Cabelman ein guter Verbündeter zu sein. Ausdrücklich dankt er dem Veranstalter und der Berliner Polizei, die so wörtlich

„[…] redlich darum bemüht war, die an der Quds-Demonstration teilnehmenden orthodoxen Juden vor zionistisch-rassistischen Provokationen und Pöbeleien abzuschirmen und zu schützen.“

Juden müssen also nicht vor Rechtsextremen der DVU und auch nicht vor der schiitisischen Hissbollah beschützt werden, sondern von den zionistischen Rassisten. Nicht nur hier scheint Cabelman eine, sagen wir, etwas spezielle Geschichts- und Weltanschauung zu haben. In einem Beitrag auf seiner Webseite schwärmt er von der „herrlichen“ Metamorphose der „ansässigen Araber“ und den bescheidenen und ebenso gottesfürchtigen jüdischen „Einzelpersonen“ vor 1948, noch bevor die mit der „wilden Horde der Zionisten“ die große Katastrophe über das Land einbrach und der „abenteuerliche Staat“ Israel alles zerstörte. Quelle

Dem würden die Nachkommen der rund 800 in Hebron um 1929 beheimateten Juden sicherlich gern widersprechen, doch in der Nacht des 23. August 1929 verwandelte sich die biblische Stadt in einen Ort von Mord und Terror. Drei Tage lang plünderte und mordete Cabelmans friedliches arabisches Volk in Hebron, 67 Juden verloren ihr Leben, der Rest wurde vertrieben und siedelte sich in Jerusalem an. Das erste Mal seit 2000 Jahren war Hebron judenrein. Quelle

Das Massaker von Hebron sollte nicht die letzte Zusammenkunft der anständigen Araber mit den mörderischen zionistischen Horden sein. Auch in Jerusalem und Tel-Aviv bereitete man Juden, oft alten Greisen, Frauen und Kindern einen gebührenden Empfang, mit Schusswaffen und Macheten.

Für Cabelman ist das nur gerecht, denn: „Durch etwa 100 Jahre weltweite Intrige, Verbrechen und Aufwühlereien brachten es die Zionisten fertig, ‘die alte Lehre auszuschalten’, und damit, leider, auch noch Sympathisanten zu gewinnen.

„Die Zionisten, ‘Häretiker’, Gott-abtrünniges Gesindel, hatten kein Problem, die “Geduld des Exils” aufzugeben. In ihrer Revolte gegen Gott gab es kein ‘göttliches Exil’ […] Die Leiden des jüdischen Volkes, und das schreckliche Verbrechen an ihm, war den Zionisten von Anfang an wie ‘ein Geschenk des Himmels’, und mit der ‘Holocaust-Keule’ und der “Antisemitismus-Fuchtel’ wurde der ‘jüdische Staat’ ertrotzt, zementiert, gehätschelt und verteidigt, bis zum heutigen Tag. Wehe dem Verein, der Zeitung, der Regierung, die etwa nachlässig werden mit dem ins Horn stoßen der ‘Holocaust-’ und der ‘Antisemitismus’-Geschichte!“ Quelle

Der Holocaust als jüdisches Instrument, um Kritiker mundtot zu machen. Allein der mutige Jude Cabelman und seine Freunde von DVU und Hissbollah sind immun dagegen.

Ob diese denn wirklich glücklich werden, wenn die Juden wieder ins von Cabelman gelobte Exil gehen müssen? Etwa nach Deutschland, Österreich oder den Libanon? Welche Rolle wird ihnen dann dort zugestanden werden, wenn die Stellen der kriechenden Lakaien von ihm und der Neturei Karta bereits besetzt sind? Fragen über Fragen und so verstrickt sich Cabelman schlussendlich in seinem eigenen Konstrukt. Auf die Frage hin ob der Holocaust eine göttliche Strafe für den Abfall der Juden vom Glauben ist antwortet er:

„Es ist uns, ebenfalls in den Propheten klipp und klar und deutlich gesagt, dass Gott uns beschwört, dass wir das von ihm bestimmte Exil ja nicht vorzeitig unterbrechen sollen, und falls ja, göttliche Bestrafung im Holocaustformat vorgesehen sei.

Die Zionisten, und mit ihnen viele Juden, haben den Schwur ignoriert, es gelang ihnen mit der ‘Zionistischen Idee” große Teile des jüdischen Volkes von Gott und seinem Gesetze, der Thora, abzubringen. Gottes ‘Erlösung’, sein “Exil”, wurde verhöhnt und die “Zionistische Wiedergeburt Israels” gepredigt.

Leider mit Erfolg, und Gott hat reagiert. Genau so wie er es durch den Propheten sagte. Der Holocaust ließ nicht auf sich warten…“ Quelle

Ja, was denn nun? Hat der Zionismus nun zum Holocaust geführt oder hat der Holocaust im Gegenteil dem Zionismus zum Siege verholfen und eben wie Phönix aus der buchstäblichen Asche das Land Israel erschaffen, den Zufluchtsort für alle verfolgten Juden der Welt, die in seinem Schutze Wohlstand, Bildung und Freiheit erhielten und selbst an den zuvor unzugänglichen Heiligen Stätten heute ungestört beten und Gott dienen können?

Schützenhilfe bekommt Cabelman der sich als Opfer zionistischer Intrigen sehenden, 82 Jahre alten Ellen Rohlfs, die einen Text von Cabelman auf einem Server der Universität Konstanz veröffentlich hatte. Auf Anfrage erklärte Rektor, Prof. Gerhart von Graevenitz:

“Ohne unser Wissen sind unter der Internetadresse der Universität Konstanz Texte antiisraelischen und antisemitischen Inhalts eingestellt worden“ und klassifizierte damit die Arbeit Cabelmans korrekt. Quelle

Mehrmals bezeichnet Cabelman Israel als illegitimen Staat, seine Bürger als Verbrecher, Häretiker und Verrückte. Er fordert und unterstützt Boykott-Aufrufe gegen Israel und lobt ausdrücklich Kräfte in der Partei DIE LINKE, die sich gegen den Staat Israel und das Andenken der Opfer des Holocaust stellen. Er relativiert den Holocaust und schreibt die Verantwortung für den millionenfachen Mord an den europäischen Juden „Zionisten“ und dem israelischen Staat zu. Quelle Die wahre Vertretung des jüdischen Volkes sieht er in der Neturei Karta Bewegung. Seine Webseite bezeichnet er als „Ein Zentralorgan für das orthodoxe Judentum“. Unterstützung erfährt Cabelmann auch durch die Fatah, die anlässlich des Todes von Rabbiner Mosche Hirsch (Hirsch erhielt für seine antizionistische Arbeit Geld aus arabischen Quellen) das ultraorthodoxe Viertel Mea Schearim in Jerusalem besuchte und verlautbaren ließ, nicht auf das Viertel verzichten zu wollen und es in einen palästinensischen Staat zu integrieren. Quelle

In seinem Buch „Wem gehört das Heilige Land“ beschreibt der Historiker Michael Wolffsohn die Neturai Karta wie folgt:

„Siebzig Prozent der jüdischen Israelis sind nichtreligiös. Die Religiösen bilden also eine Minderheit. Unter dieser religiösen Minderheit sind die Orthodoxen ihrerseits eine Minderheit. Und eine Minderheit dieser Minderheit ist die winzige Gruppe der Neturei Karta. Nur weil ihre Männer so malerisch aussehen und weil sie zudem religionspolitisch äußerst militant sind, beachtet sie die Außen- und Innenwelt. Friedfertig sind sie gegenüber muslimischen und christlichen Palästinensern. Auf nichtreligiöse Juden sind sie bereit, Bomben zu werfen, wenn diese zum Beispiel Schwimmbäder eröffnen, in denen Männer und Frauen nicht voneinander getrennt sind.“

Als Kontakt unter derisraelit.wordpress.com ist die E-Mail Adresse derisraelit@skynet.be angegeben, Skynet ist ein belgischer Provider, der seinen Dienst in niederländischer und französischer Sprache anbietet. Cabelman gab an zur Al-Quds Demonstration 2009 aus Brüssel angereist zu sein. Quelle Er soll zugleich in der Nähe von Köln, in Antwerpen und London leben, angeblich 54 Jahre alt, deutscher Jude mit preußisch-schlesischen und pfälzischen Wurzeln und Vater von sechs Kindern sein.

Bei Aro1 befasst man sich nochmals mit Cabelman & Co.: Über Juden die Israel nicht ausstehen können […]

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One Thought on “Der „Israelit“ (Reuven Cabelman)

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