Er heißt Gastromix, Käsezubereitung, Kunstkäse oder Käseimitat und ist die neue Kuh, die durchs Dorf getrieben wird. Verbraucherschützer sind alarmiert, denn immer mehr Produkte schmecken nach, fühlen sich an und sehen aus wie Käse, doch das köstliche Gebräu kommt nicht etwa aus dem Euter eines 800Kg schweren Milchmonsters mit bis zu 15 000 Kg Milchleistung pro Jahr, sondern aus dem Labor.

Der Clou, Käse aus dem “Reagenzglas” muss nicht erst reifen, ist hitzebeständiger und hat auch sonst viele Vorteile. Eine Chance etwa, für Menschen mit Laktoseintoleranz oder Allergien. Sogar zur Einhaltung des Kaschrut (orthodoxe Juden werden hier wohl bemängeln, dass der Käse trotzdem nicht verzerrt werden kann, da er richtigem Käse täuschend ähnlich ist) trägt der Käse bei, denn so manche Sorte kommt gänzlich ohne Milch aus und schmeckt trotzdem nach Mozarella, Feta, Camembert, Parmesan oder Gouda. Für den Bayerischen Rundfunk ist das “Verbrauchertäuschung”.

Für den klar denkenden Menschen eine Bereicherung. Kunstkäse muss als solcher klar erkennbar sein, das ist korrekt. Doch eine zusätzliche “Ausweispflicht” für “Käsestangen” oder Pizzen wäre übertrieben. Der Verbraucher muss schon selbst wissen, ob er sich Unterwegs ein Käsebrötchen verzerrt, welches mit dem Imitat angereichert worden ist.

Gesundheitliche Bedenken gibt es ohnehin nicht. Auch die schärfsten Kritiker haben in dieser Hinsicht gegen den Designerkäse nichts einzuwenden, vermutlich ist das Imitat gar gesünder, da hier auf tierische Produkte verzichtet wird. Ein Argument mit dem sich die qualitativ unterlegene Margarine in den Markt gedrungen und die Butter vom Sockel gestoßen hat. Heute gilt sie als die “gesunde” Alternative, während man bei Käse noch die Nase rümpft.

Schon suchen Reporter nach Verbrauchern, die im Blindtest den “ekeligen” Ementaler vom Leckeren unterscheiden sollen, werden aber so recht nicht fündig. Das Große “Igit” kommt fast immer nach der Auflösung durch den Sender. Anders war es aber nicht zu erwarten gewesen, denn längst ist er unter uns und keiner hat’s gemerkt.

Einem Volk, dass seinen Müll vor dem Wegwerfen wäscht sollte es aber auch schlicht egal sein.

Für die Milchbauern ist Kunstkäse eine weitere Katastrophe, ihre überteuerte Milch werden sie so noch schlechter los. Hier wird mal wieder die EU mit ihrem bodenlosen Agrar-Subventionstopf einschreiten müssen, damit Deutschland weiterhin nicht nur bei Geflügel, sondern auch bei Milch mit den Erzeugern in der 3. Welt konkurrieren kann.