…unser täglich Blog gib uns heute!
Mister Wong ist ein Bookmark Anbieter aus Deutschland, vollgepackt mit Web 2.0 Spielereien und einem einfachen Konzept. Nutzer legen ihre Profile bei Mister-Wong an und können, unterstützt von unzähligen Browser und Web-Erweiterungen, Lesezeichen auf die gerade besuchte Webseite setzen. Aber nicht nur das, Mister Wong erlaubt es eine Beschreibung anzufertigen und verwaltet die Bookmarks zusätzlich durch Tags, also mit Labels, die der Benutzer entweder sich selbst neu ausdenkt oder aber aus bereits vorhandenen Beständen übernimmt. Dabei kann man seine Lesezeichen entweder mit anderen teilen oder alles für sich behalten.
Nun hat es sich für Mister-Wong, der eigentlich ganz werbefrei bleiben wollte und es sich dann doch nicht verkneifen konnte mit Google-Adsense Werbung einzublenden, etwas verkalkuliert. Nicht die Technik, sondern das Logo, ein lachender Asiate war der Stein der Anstoßes. Er soll zu viele Klischees bedient haben und überhaupt seien seine Erfinder nicht feinfühlig genug mit den Gefühlen anderer umgegangen. So wirft ihnen ein Blogger der “8 Asians”, eines Blogs von 8 Amerikanern und Kanadiern mit asiatischer Abstammung, den deutschen Machern vor. Vielleicht, so schreibt Hsiung, seien die “Menschen [Anm.: In Deutschland] nicht so feinfühlig gegenüber politischer Korrektheit wie in Nordamerika”. Vielleicht waren die Macher wirklich nicht feinfühlig genug. Aber war das Logo wirklich so schlimm? Ein netter Kerl, mit wenig Haupthaar, einem netten Grinsen und wohliger Fülle – Wer könnte hier Rassismus vermuten? Nach dem Start des Portals in den USA, kochten die Emotionen weiter hoch und die Reaktion des Wong-Gründers Kai Tietjen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Tietjen entfernte das Logo aus allen lokalisierten Versionen und schrieb: “Obwohl das viele unserer Nutzer enttäuscht hat, fühlen wir, dass das die richtige Entscheidung gewesen ist.”
Nachdem sich im vergangenem Jahr die arabische Welt über angebliche Mohammed-Karikaturen echauffiert hatte und sich einige Länder genötigt sahen, sich für das “Vorgehen ihrer Presse” zu entschuldigen, muss hier gleich der Chef ran, um um Verzeihung zu bitten. Eine Folge der profillosen, europäischen Politik – Bloss nicht anecken, es könnte sich jemand auf den Schlipps getreten fühlen.
Ich bin übrigens, “Mister-Wong Botschafter”, was das eigentlich für mich bedeutet weiß ich zwar nicht, aber schade ist die ganze Aktion trotzdem. Mein Mister-Wong Shirt muss ich jedenfalls nicht weg schmeißen, auf diesem fehlt das Mister-Wong Motiv, es ist einem weißen Stern gewichen. Wie müssen sich bei diesem Anblick Opfer des Kommunismus fühlen? Mr. Wong wird uns trotzdem entgegen lachen, nur muss man ihn nun auf den Seiten seiner Fans suchen, auf den Buttons und auf den Stickern, die seine Erfinder eifrig verteilt hatten.