23:32 Uhr; ARD
Nazis wider Willen

Michaela Kirst widmet sich dem Schicksal deutschstämmiger US-Familien, die in amerikanischen Lagern interniert und zum Teil sogar nach Deutschland zurückgeführt wurden, wo sie ebenfalls mit tiefem Misstrauen beäugt und der Spionage verdächtigt wurden. Fünf exemplarische Lebensläufe hat die Filmemacherin herausgegriffen, in denen sich die Odyssee von Menschen widerspiegelt, die, ohne es zu wollen oder es verhindern zu können, zwischen alle Fronten gerieten.
Ein Film über ein dunkles Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das bis heute von der amerikanischen Politik beharrlich totgeschwiegen wird: das Schicksal deutschstämmiger US-Familien in amerikanischen Lagern.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA wurden fleißige deutsche Immigranten über Nacht plötzlich zu potenziellen Nazis und zur „Gefahr für die nationale Sicherheit”. Bei Tausenden klopfte eines Tages das FBI an die Tür. Sie wurden verhaftet, verloren Hab und Gut und finden sich hinter Stacheldraht in einem Internierungslager wieder.
Für etwa 4000 dieser Deutsch-Amerikaner ist das Lager aber nur eine Zwischenstation. Sie werden gegen ihren Willen zum Einsatz im geheimen Handel der Kriegsmächte: Die US-Regierung tauscht sie gegen amerikanische Kriegsgefangene ein und schickt sie – mitten im Krieg – per Schiff nach Deutschland zurück.
Damit beginnt ihr Leidensweg erneut: Auch in Deutschland sind sie nicht willkommen. Man hält sie für amerikanische Spione und sperrt sie wieder ein. Familien zerbrechen. Selbst nach Kriegsende bleibt vielen von ihnen die Rückkehr in ihre Wahlheimat Amerika verwehrt.
Die ehemals Internierten, Deportierten und Repatriierten haben nach dem Krieg jahrzehntelang geschwiegen – aus Scham oder Angst. Erst jetzt bricht eine kleine Gruppe ihr Schweigen. Sie kämpft im US-Senat dafür, dass die amerikanische Regierung ihr Schicksal endlich offiziell anerkennt.
Karen Ebel, deren Vater Max, eines der fünf Opfer, kurz vor den Dreharbeiten zu „Nazis wider Willen” starb, hatte 2005 das Aktionsbündnis „German American Internee Coalition” ins Leben gerufen, das um die Rehabilitierung der Internierten und Abgeschobenen kämpft. Mit im Boot sitzt u. a. der renommierte jüdische Senator Russ Feingold (Wisconsin), der schon im Sommer 2004 im Kapitol über „dieses tragische Kapitel in der Geschichte unserer Nation” referierte und einen entsprechenden Gesetzentwurf vorschlug. Siebzehn Kongressmitglieder, darunter auch der frühere Präsidentschaftsbewerber Joe Liebermann, unterstützen dieses Vorhaben. Auch Menschenrechtler der „American Civil Liberties Union” fordern die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Und „Ehemalige” wie Eb Fuhr erheben ihre Stimme immer lauter.

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