Derzeit bin ich sehr viel im „Audiophilen Internet“ unterwegs und wühle mich durch Blogs und Foren von Musik-Enthusiasten. Einige Aussagen stoßen mir, als eher faktenorientierten Menschen, übel auf. Oft driften durchaus interessante Fragen durch Halb- und Unwissen in den esoterische Bereich ab.

Deswegen zwei kleine und durchaus leicht nachvollziehbare Experimente aus meiner Apple-Umgebung:

iTunes kann mit 24bit nicht umgehen

Eine sehr häufig anzutreffende Behauptung ist, dass Apples iTunes nichts mit 24bit Sample-Größen anfangen kann.  Zunächst einmal ist es so, dass Apple selbst keine 24bit Musikdateien anbietet und man zwingend auf externe Anbieter wie HIGHRESAUDIO angewiesen bleibt. Diese vertreiben Alben in Studioqualität und weisen eine Sample-Größe größer als die üblichen 16bit einer Audio-CD auf.  Das Problem ist, dass diese Dateien als FLAC angeboten werden. Das verlustfreie Format FLAC kann mit iTunes nativ und mit dem Windows iTunes generell, meines Wissens nach, überhaupt nicht abgespielt werden. Deswegen dürften den allermeisten Kommentatoren schlicht geeignete Dateien zum Selbstausprobieren fehlen.

Für einen Test brauchen wir also eine Apple Lossless Audio-Datei (ALAC konkurriert mit FLAC und ist ebenfalls verlustfrei, dazu später mehr). Die 24bit FLAC-Dateien für diesen Test habe ich mir aus der Society of Sound von Bowers & Wilkins besorgt. Diese schmeißen wir in das FLAC Frontend, welches es für Windows und andere Betriebssysteme gibt und drücken auf Decode. Das Frontend erstellt nun aus der (verlustfrei) komprimierten FLAC-Datei ein unkomprimiertes WAV-File.

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Mit WAV wiederum kann iTunes etwas anfangen und auch nach Belieben in die selbst unterstützten Formate konvertieren, was aber für diesen Test weniger relevant ist. Also ziehen wir die frisch dekodierten Dateien in iTunes, lassen sie abspielen und stellen fest, dass dies funktioniert.

Auch eine Konvertierung in das hauseigene verlustfreie Apple Lossless Format ist mit Rechtsklick möglich. Unschön ist bei dieser Variante, dass die ID-Taggs verloren gehen, was aber meiner Meinung nach verschmerzbar ist.

Angenehmer geht die Konvertierung mit dem Tool dBpoweramp Converter, welches zwar nach der Testphase nicht ganz billig, dafür sich aber völlig transparent in Windows einbindet und direkt von FLAC in Apple Lossless umwandeln kann.  Außerdem übernimmt es alle Tags und Cover und lasstet alle verfügbaren Prozessoren aus.

Ab und an ist im Internet zu lesen, dass iTunes zwar mit 24bit/48kHz umgehen kann, bei 24bit/96kHz aber schlapp macht und auch das ist ein Gerücht. Entsprechende audiophile Samples beweisen hier regelmässig das Gegenteil. Auf der anderen Seite ist es richtig, dass Apple-Player (iPod/iPhone) mit 24bit nichts anfangen können und iTunes teils die Synchronisierung auf ein solches Gerät verweigert, mit iTunes 11 und einem iPad bzw. iPhone 4S konnten die Musikstücke sowohl übertragen, als auch abgespielt werden. Die verwendete Hardware ist jedoch 16bitig und höhere Sampleraten würde keinen Vorteil bieten. Das Höchste der Gefühle ist das Mastered for iTunes Programm, in welchem Apple vorschlägt als Quellformat bspw. 24bit zu nutzen. Im iTunes Store sind mir audiophile Dateien bislang jedoch nicht begegnet, der Codec und auch die Abspielsoftware sind jedoch vorhanden und für hochauflösende Musik bereit.

Wer seine Dateien jetzt schon abspielen möchte wird im App Store fündig. Beispielhaft sei hier die App Golden Ear für 7,99$ erwähnt, die über FTP oder iTunes befüllt werden kann und sogar per Airplay streamt. Ernstzunehmende Zeitgenossen werden aber an teueren tragbaren Abspielgeräten nicht vorbei kommen. Dort stehen für jeweils rund 700€ Geräte von Astell&Kern (iRiver) oder Colorful bereit, die sehr hohe Sampleraten und Frequenzbereiche wiedergeben können. Soll es iTunes sein, so gibt es Airplay-fähige Geräte mit 24bit/96kHz Unterstützung (Zeppelin Air von Bowers & Wilkins).

 

ALAC verlustbehafteter als FLAC

Ein weiterer Mythos betrifft die verlustfreien Formate. Einige Nutzer schwören auf FLAC und behaupten, dass Apple Lossless gut komprimiert, FLAC aber nicht das Wasser reichen kann. Auch diese Behauptung lässt sich leicht aus dem Weg räumen.

Grob gesagt gibt es zwei Arten von Komprimierung, die auf jeweils unterschiedlichen Ebenen ansetzen. Mp3 und AAC sind wohl die bekanntesten Kompressionsformate, die in der Psychoakustik wurzeln, dieser Theorie nach kann der Mensch bestimmte Töne nicht wahrnehmen, da sie entweder in einem Spektrum liegen der für ihn nicht hörbar ist oder aber vom Gehirn nicht bewusst wahrgenommen werden. Durch raffinierte Verfahren wird ein Musikstück so lange „bereinigt“ bis alle vermeintlich unhörbaren Elemente herausgerechnet worden sind. In den Anfängen der Mp3-Ära ging man noch davon aus, dass eine Bitrate von 128Kbit/s von den allermeisten Hörern nicht mehr von einer Audio-CD zu unterscheiden ist.  Mittlerweile hat ein Umdenken stattgefunden und der Wert nicht mehr als ausreichend angesehen, aber auch heute geht die Wissenschaft davon aus, dass auch die anspruchsvollsten Hörer mit einer variablen Bitrate von 256Kbit/s glücklich werden. Im Vergleich zur Quelldatei ist ein so abgespeichertes Musikstück in jedem Fall beschnitten, sprich ein Teil der Information fehlt – unabhängig davon, ob der Hörer diesen Anteil wahrnimmt oder nicht. Das ist am ehesten mit einer JPG-Datei vergleichbar, die je nach Qualitätsstufe verpixelt ausfallen kann und trotzdem beim Betrachten als scharf wahrgenommen wird.

Bei FLAC und Apple Lossless sieht die Sache dagegen anders aus, denn hier wird nicht die Musik komprimiert, sondern die Musikdatei als solches, vergleichbar mit einem ZIP- oder RAR-Archiv. Auch hier gibt es Kompressionsstärken, doch nach Umwandeln in ein unkomprimiertes Format (Entpacken) hat sich der Inhalt nicht verändert. Wird also eine unkomprimierte WAV-Datei mit FLAC oder Lossless komprimiert kann aus beiden Formaten immer wieder die bitgleiche WAV-Datei rekonstruiert werden.

Für einen Test musste wieder einmal eine  24bit FLAC-Datei aus dem Repertoire der Society of Sound von Bowers & Wilkins herhalten. Die ausgepackte Datei wird mit dem oben erwähnten „FLAC Frontend“ in WAV überführt. Damit haben wir den ersten Schritt getan und haben die unkomprimierte Datei vorliegen, die wir nun in iTunes einspielen und in Apple Lossless Audio überführen. Aus der nun erzeugten Datei wird mit dem ebenfalls bereits erwähnten Konverter dBpoweramp eine WAV-Datei erzeugt  und mit der vom FLAC Frontend erstellten WAV-Datei verglichen.

Dies kann man mit beliebigen Vergleichsprogrammen machen, die mit größeren Datenmengen umgehen können. MD5-Vergleiche bringen an dieser Stelle nichts, da sich außerhalb des Musikanteils durchaus Änderungen ergeben können und somit eine abweichende Prüfsumme liefern würden. Ich verwende hier gerne den Total Commander, welcher gleich inhaltliche Änderungen anzeigen kann. Dieser stellt fest, dass der Musikanteil nach mehreren Konversionsschritten und Tools gleich geblieben ist. Die einzigen zu erkennenden Änderungen betreffen den ID-Tag Bereich, dort wurden Slashes durch Backslashes ersetzt, da es sich hierbei um Verwaltungsinformationen handelt ist dies eine zulässige Veränderung.

Damit wäre erwiesen, dass sowohl FLAC, als auch Apple Lossless Audio den Musikanteil einer Datei binär nicht verändern. Sicherlich kann sich je nach Format die abgespielte Datei anders anhören, dies wiederum ist auf den eingesetzten Codec oder D/A-Wandler zurückgeführt. Hat aber mit dem Format nichts zu tun, ebenso wie ein Worddokument je nach Dateibetrachter das Aussehen des Dokuments verfälschen kann.

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2 Thoughts on “iTunes mit 24bit/48kHz

  1. Chris- on 29. Dezember 2013 at 11:41 said:

    ein sehr schön gelungener Artikel. Welcher der Sache auf den Grund geht – im esoterischen Bereich, dennoch die Flügel offen-hält. (scnr)

    die verschiedenen AufnahmeQualitäten im digitalen Bereich beziehen sich lediglich auf eine Niederlegung der musikalischen Welle im digitalen Bereich. Die beiden Versionen WAV und AIFF sind ident. Wobei man beachten muss, dass im Profibereich Apple immer den Vorzug bekommt. Warum dies so ist …. müsste man einen Tonmeister befragen ..

    Wenn wir tiefer in die Materie steigen, so sehen wir Apple als einen Lieferanten von Standardisierungsverfahren. Microsoft war eine Eier-legende Wollmilchsau – (eine Laus welche auch dem Steve Jobs über die Leber gelaufen sein dürfte).

    Wenn man nun Audiospuren miteinander vergleicht, so muss man dies 1) laut tun, und 2) eine Ahnung haben. Da FLAC gegenüber ALAC Dateien lediglich – von Anfang an – etwas lauter klingen, aber „leider“ auf keine anerkannte Grundfunktion der Audio-Ingenieurskunst aufbauen.

    In der Audiophilie sind zuerst die Boxen wichtig. Wenn ich gute Boxen habe, welche an einen „guten“ Verstärker angeschlossen sind, erkennt man auch keinen Unterschied zu einer 256kbps „Lame 3.99“-Codierung.

    ——
    Apple hat Logic aufgekauft, und arbeitet an Bereichen welche für die meisten kaum wahrnehmbar sind, und doch immer wieder einen neuen Maßstab setzen, und uns tagtäglich umgeben.

    Als einziges Beispiel will ich die Firma Apogee anführen, welche schon das >>Thunderbolt<<-Kabel nutzt, um ihre Symphonie zu starten.

  2. Vielen Dank für das Lob. Etwas trocken geschrieben, aber doch relativ sachdienlich, wie ich finde. FLAC hört sich für mich im VLC wirklich sehr viel kräftiger, runder und lauter an. Aber binär ist das wirklich kein Unterschied und bei fehlenden „Goldenen Ohren“ ist das auch relativ theoretisch.

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