So eindeutige Überschriften sucht man in der westlichen Presse vergebens, anders als in anderen Konflikten versucht man die Balance zu halten und bleibt sachlich. So gehört es sich eben im Qualitätsjournalismus.

Wenn Deutsche Soldaten zwei von den Taliban gekaperte Tanklastzüge beschießen lassen und dabei 90 Menschen sterben, wird der Gouverneur der Provinz Kundus folgend zitiert:

„Das Problem ist, dass all die Menschen, die in der Nähe der Tanker waren, schwere Verbrennungen haben und nicht zu identifizieren sind. In der Mehrzahl waren es bewaffnete Taliban. Wer um etwa zwei Uhr morgens das Dorf verlässt, muss zu den Aufständischen gehören.“

Die Bundeswehr wollte von zivilen Opfern erst gar nichts wissen. Am nächsten Tag spricht man von „über 50 zivilen Opfern. Die Nato kündigt eine Untersuchung an, durch einen eigenen Admiral, versteht sich. Damit ist die Sache mehr oder weniger erledigt.

Wir lassen es uns auf der Zunge zergehen:

Zwei Tanklastzüge werden von den Taliban entführt, daraufhin fliegt die ISAF einen Luftangriff, in dessen Folge 90 Menschen sterben! Vermutlich sind darunter rund 40 Zivilisten.

Niemand verlangt den sofortigen Stopp der Kampfhandlungen, niemand verlangt den Abzug der Bundeswehr aus dem „souveränen Staat“ Afghanistan, niemand fordert eine unabhängige Untersuchungskommission, niemand will die Verantwortlichen vor das Kriegsverbrecher Tribunal zerren. Ganz im Gegenteil, man hat sogar Verständnis dafür, dass Menschen die mitten in der Nacht einen Tanklastzug stehlen als Terroristen verfolgt und als solche behandelt werden sollten.

Explizit wird bei SPIEGEL Online Verständnis geäußert, unter der Überschrift „Bundeswehr wollte mit Luftangriff Selbstmordattentat verhindern“ heißt es dort:

„Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat das Vorgehen als notwendig gerechtfertigt und davon gesprochen, dass eine erhebliche Gefahr für deutsche Soldaten bestanden hätte. Die Taliban hätten mehrfach angedroht, vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Truppen verüben zu wollen, sagte Jung am Abend in der ARD-„Tagesschau“. Im ZDF-„heute-journal“ fügte er hinzu, es seien vor Ort verkohlte Waffen gefunden worden, „so dass die Indizien sehr klar für Taliban sprechen.““


Weiter wird ausgeführt:

„Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist mit dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff ein Selbstmordattentat auf das deutsche Lager bei Kunduz verhindert worden. „Wir gehen davon aus, dass die entführten zivilen Tanklaster in Richtung des Bundeswehrlagers gebracht werden sollten, um durch ein Selbstmordattentat größtmöglichen Schaden anzurichten“, sagte der Parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) der „Nordwest-Zeitung“. Deshalb sei die Bundeswehr so „intensiv vorgegangen“ und habe Luftunterstützung der Nato angefordert.“

Auch Kritik an Journalisten wird aus dem Bundesverteidigungsamt laut:

„Den Journalisten im „warmen Sessel in Berlin“ möge die kurze Zeit zwischen Kaperung und Lauftangriff ein Hinweis sein, ob „mitten in der Nacht größere Menschenmengen“ zusammenkommen könnten.“

Während all dies geschieht legt man an Israel eine andere Messlatte an. Die Hamas stiehlt neben Treibstoff Lebensmittel und Decken. Ihre Anhänger verschanzen sich zwischen Zivilisten und beschießen nicht nur israelische Soldaten, sondern auch Kinder und Frauen, schießt Israel zurück, dann ist das Geschrei groß.

(Unnötig zu erwähnen, dass die Hamas und andere palästinensische Organisationen Häuser und Straßen verminen, um möglichst große Opferzahlen zu erhalten. Auch in Afghanistan spricht man mittlerweile von über 150 zivilen Opfern, die bei den gestrigen Luftangriffen getötet worden sind.)

Die israelische Organisation „Das Schweigen brechen“ berichtete gar von einem Vorfall, bei dem ein älterer Mann sich um drei Uhr morgens einer Gruppe von Soldaten näherte und dabei erschossen wurde. Sie spricht von Kriegsverbrechen! Wenn man 40 Zivilisten einen Tanklastzug ausrauben und keinen Soldaten bedrohlich nahe kommen, dann ist dies auf einmal legitim und die Geschehnisse werden nüchtern wiedergegeben. Denn die Soldaten machen nichts anderes als die Lage zu sichern und den Widerstand von Terrorgruppen zu brechen.

Wie kann es sein, dass vor den Augen der Welt so offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird und die eigenen Verfehlungen so geflissentlich ignoriert werden?

Nur damit wir uns richtig verstehen, jeder der einen Tanklastzug entführt, Waffen schmuggelt oder Heroin anbaut, um damit einen Heiligen Krieg gegen die „Ungläubigen“ zu führen, hat sein Leben verwirkt. Ebenso hat sein Leben verwirkt, wer unschuldige Kinder ermorden will und Zivilisten seit Jahren unter Feuer nimmt. Die westliche Welt sollte erkennen wie asymmetrische Kriege geführt werden und wie diese zu gewinnen sind.

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