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Über das Thema „Selbsthass“ wird in diesem Buche gesprochen werden. Das ist ganz und gar nicht ein nur jüdisches Thema. Es ist ein Phänomen des gesamten Menschengeschlechtes! Aber dieses allgemein menschliche Phänomen „Selbsthass“ kann an der Psychopathologie der jüdischen Volksgeschichte besonders glänzend beleuchtet werden.
Wer das Phänomen „Selbsthass“ ehrlich ergründen will, der muss tief in die Tiefe steigen. Bis zu jenem Punkte, wo aus einem vormenschlichen Elemente zum ersten Male der Menschheit geistiges Bewusstsein das fragende und klagende Auge aufschlägt.
Wir müssen hinabtauchen in einen Urgrund, wo aus der allverschlungenen All-Einheit, welche weder Ich kennt noch Du, zum ersten Male die große Ich-und-Du-Spaltung hervorblitzt. Hüben ein wissendes Subjekt; drüben die abstellbare Welt von „sachlichen Gegebenheiten“. Das ist keineswegs ein „abnormes“ Phänomen (es sei denn, man betrachtete das ganze Dasein des Geistes als eine Krankheit). Es ist das Wunder des Geistes selbst, welches fügt, daß in der menschlichen Kreatur das Leben sich wider sich selber kehren, lebenspolar und schließlich lebensgehässig werden kann.
Die Blume, der Baum, der Quell, das flutende Wasser blühen fraglos-sicher im Banne des Rhythmus.
Unbekümmert und selig in sich selbst atmet in Ewigkeit alle Natur. Nur im Feurigbewegten, im schweifenden Tier (am deutlichsten im verhäuslichten Tier), den wir schon einige Ansätze zum — Selbsthass.
Eine ungeheure Macht „angegeistigter“ Leidenschaft (die Machtgier, die Rachsucht, das Mitleid, die Reue) sind unterströmt von diesem heimlichen Selbstzerstörerdrange. Von einem geheimen „Erlöserschmerz“, einem wunderlichen Triebe alles begrenzten Lebens, seine Grenze zu vernichten. Schon im Tiere gibt es Zustände der „Selbstqual“, zum mindesten im eingeengten, vermenschlichten und erkrankten Tier. Und bei diesen primitiven Zuständen müssen wir ansetzen, um den Bruch zu verstehen: Die lebenzerklüftende Krankheit, der das älteste der Völker auch als erstes anheimzufallen droht.
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Antithesis – Proud to be a Zionist – Yom Haatzmaut 2010 – Herzl 150. Bist du auch darauf stolz darauf ZIONIST zu sein?
Der Klassenkampf setzte ein, als das Industriezeitalter heraufdämmerte. Er wurde der wichtigste aller Kämpfe, als Maschine, Technik, Geldwirtschaft, Industrie die ganze Erde unterjochten. Was bedeuteten jetzt noch die alten Religionszwiste? Auch völkische Unterschiede der Menschen waren nicht mehr so entscheidend, wie die Unterschiede der wirtschaftlichen Klassen und ihre Not.
Karl Marx, der Theoretiker des Klassenkampfes, sah in seinen Glaubens- oder Stammes genossen nichts anderes mehr als „den wurzellos gewordenen Anhang der Kapitalistenklasse und ihrer Geldwirtschaft“. Die sogenannte Emanzipation der Juden bedeutete für Marx nur ihre Verbürgerlichung, und Verbürgerlichung war ihm gleichbedeutend mit „Auslieferung an die kapitalistische Gesellschaft, welche in ferner Zukunft durch die sozialistische Gesellschaftsordnung abgelöst werden soll“. Ein jüdisches Volk im Volkskampfe kannte Marx nicht. Ein solches wäre nur im Osten zu finden gewesen, wo die Juden vorwiegend Handwerker und Arbeiter waren, denn jene Historiker, die die Juden als ein Volk von Wucherern schildern, wissen nicht einmal, daß gerade Zinsnehmen und Wucher durch die mosaische Gesetzgebung verboten und ganz unmöglich waren, bis, vom 13. Jahrhundert ab, das feudale Zeitalter den Juden das Münz- und Finanzwesen schlechtweg aufdrängte.
Im Westen sah also das Auge von Karl Marx nichts als Partei- und Interessenkämpfe. Ein Kommunist wie Moses Heß, der zugleich ein nationaler Jude und ein Zionist war, stand in der Partei des Proletariats und im Kampf wider die bürgerliche Welt ganz einsam.
Mit tausend Freuden aber nützte die Welt des bürgerlichen Erfolges das Dasein der Juden und der Judenfrage! Ihr konnte es nur recht sein, daß die Gegner der bürgerlichen Gesellschaft die Juden einfach dieser Sündenwelt des Kapitals zugesellten. Denn eine Sündenwelt benötigt eines Sündenbocks. Alle Widrigkeiten der bürgerlichen Kolonisations- und Erdversklavungswirtschaft, auch die an den Juden selber verübten, wurden somit aus der Geschichte oder aus dem Wesen der Juden „erklärt“.
War es denn nicht ein wahres Kinderspiel, das Vorhandensein des vielgeschmähten „Kapitalismus“ mit Natur und Wesen der Juden in Verbindung zu bringen?
Selbstliebe und Selbstsegnung . . . worauf sonst käme das meiste Menschenleben hinaus? „Theologie“, sagt Goethe, „ist die eigenbezügliche Selbstvergottung des Menschen“. — Eine neue Theologie erstand, für welche (völlig im Gegensatz zur Theologie des Mittelalters) das Christentum (und mithin auch die Sünden des Christentums) zum — Werke der Juden wurde. Paulus trug Schuld! Das „Christentum Christi“, das sogenannte Urchristentum, das war unjüdisch gewesen, das war (auf irgend einem mystischen Wege) aus der Seele arischer Völker entstiegen. Aber dann war Paulus, der Hebräer, gekommen. Und so war die Vernüchterung und Entseelung der Erde im Gefolge der christlichen „Kultur“ eben nicht wirkliches Christentum, sondern: „verjudetes“.
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Aber es muss gesagt sein, — so bitter diese Erkenntnis ist — daß just der Rückschlag das jüdische Volk errettet hat. Die Assimilation wäre in Westeuropa glatt weitergegangen. Sie wäre nach einigen Geschlechtern voraussichtlich vollendet worden, wenn nicht die Gegenwelle des Hasses gekommen wäre.
Der an allen Tischen Europas mittafelnde „Fortschrittsjude“ stand plötzlich vor einer dicken Mauer von Hass. Dieser Hass aber brachte ihn zur Selbstbesinnung. Der Zionismus erstand: der Keim einer Volkserneuerung. Denn wenn bei den frühesten Führern, bei Pinsker und Nordau und selbst noch bei dem herrlichen Theodor Herzl, der Zionismus zunächst nur eine nüchterne Gegenwehr war — aus Trotz, aus Stolz, aus Helferwillen, aus Mitleid oder ganz gleich aus welchen reaktiven Gefühlen — , so konnte es doch bei einem solchen negativen Zionismus nicht lange sein Bewenden haben. Schon die nächste Generation war zionistisch, weil sie jüdisch fühlte; nicht, weil sie sich als Juden verletzt fühlte.
Die Macht ist träge. Das Kapital ist feige. Die Sattgewordenen werden lau.
Wo die Vereine der europäischen Bürger mosaischer Konfession auf dem bequemen Wege der Mitte verharrten, wo Liberalismus, Demokratie, Fortschritt und Freisinn ihre nicht eben den Kopf kostenden Spiele trieben, da sammelte sich die ganze Hochansehnlichkeit der jüdischen Bürgerwelt, der ganze „Kowed“. Da waren die großen Namen und die großen Titel. Die führenden Persönlichkeiten der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschaft.
Uns Abseitigen aber, die wir es für unvergleichlich heldischer halten, ein ungesicherter Nomade zu sein als ein wurzelfester Bürger Europas, uns sei an diesem zweihundertsten Geburtstage des Mannes, seit dem hebräische Sprache und Schrift, Ritus, Tracht, Volksbrauch, Fest und Mythos der Zerstörung anheimzufallen begannen, einmal eine kurze Phantasie gestattet, welche aber doch immerhin im Bereiche des Möglichen zu bleiben scheint, wenn wir auf das Schicksal eines andern, von der „christlichen Kultur“ nicht minder bedrohten Volkes blicken, des indischen: auf jene „Non-Cooperation-Bewegung“, die seit 1900 in dem von England vergewaltigten Indien entfesselt wurde.
Wir Menschen müssen alle, um überhaupt leben zu können, manche „Schuld“ auf uns nehmen. Wir müssen zum Beispiel eine wundervolle, in sich vollendete, ursprünglich uns überlegene Tierwelt ausrotten. Wenn wir die großen Raubtiere, Löwen und Leoparden, vernichten, so gehen wir dabei sehr böse vor; wir sagen daher: das Raubtier sei böse. Wenn wir die großen Schlangen ausrotten, so verwenden wir dazu viel Hinterlist; wir sagen daher: die Schlangen seien hinterlistig.
Habe ich jemals gegen einen andern schlechte Gedanken gehegt, dann muss ich diese schlechten Gedanken eben aus der Schlechtigkeit des andern vor mir selber begründen.
Wer einmal gesprochen hat: „Gott strafe England“ oder: „Deutschland muss gedemütigt werden“, der hegt von nun an unbewusst eine Parteinahme daran, alles aufzusammeln und hoch zu bewerten, was nur irgend zweckdienlich ist, sein ungünstiges Vorurteil zu rechtfertigen. Schließlich könnte es sogar sein, daß wir ein Böses gar nicht darum hassen, weil es böse ist, sondern: das, was wir hassen und hassen müssen, nennen wir: das Böse.
Dieser Vorgang der „Verhässlichung des Verhassten“ wird noch gesteigert, wenn ein geheimes Gefühl der Sympathie übertäubt und tot gemacht werden muss. Man sieht das in solchen Fällen, wo eine Liebe oder Freundschaft in Hass und Verfolgung übergeht.
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Лишь тогда хорошо кипит у человека работа на пользу страны или народа, когда он горячо любит эту страну или народ. Честные люди вот служат общим, вселенским идеям; но каждый хочет служить им в своей любимой среде, — ковать железо на потребу широкому миру; но ковать его у себя в кузне, где легче и уютнее работать, потому что каждый уголок дорог и близок; и он прав, ибо крепче и легче работается, когда знаешь, что плодами работы воспользуются твои любимые, а не те, к кому ты равнодушен.
Патриотизм удесятеряет силу идейной работы, придает ей теплоту и увлечение. Но у интеллигентных евреев нет патриотизма, нет полной и цельной любви к нашему народу; оттого так часто наша идейная работа лишена теплоты и увлечения и отравлена изнутри болезненным разладом.
Почти нет интеллигентного человека на земле, который в настоящее время не томился бы жаждою дела. Вот, мечтают об увлекательной работе. Хандра, тоскливые чеховские настроения, заполнившие жизнь — все это зуд энергии, которая рвется из нас и жаждет применения. Десятилетия бездействия проползли; наступает хорошая пора, когда понадобятся рабочие руки; эту близкую пору предчувствуют все, но говорят себе: скоро найдется для нас дело по сердцу! Но мы, интеллигенты-евреи, на пороге наступающего десятилетия работы стоим не в трепете радости, а в мучительном колебании. И в нас есть энергия и рвется наружу, и нам страстно хочется работать. Но мы не знаем, для кого нам работать.
Отдать свои силы на благо той земли, где мы живем, и этим удовлетвориться? Так поступают из нас многие, потому что вот мы поистине, сознавая или не сознавая, нежною любовью любим эту страну — любим, несмотря ни на что, народ, в ней живущий, и язык, на котором он говорит. Но ведь эта любовь неразделенная, и потому горько обидная самолюбию. Ведь это — навязывание своей дружбы тем, кто не просит о ней, страстные признания пред красавицей, которая равнодушна. Эта земля сама богата духовными силами; наших услуг она не просит; и когда мы сами, во что бы то ни стало, хотим служить ей, то на нас невольно смотрят с холодным удивлением, пожимая плечами, и говорят:
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An dem Tage, an welchem ich dies Buch vom Selbsthass zu schreiben beginne, feiern die Juden im Westen ein frohes Fest: den zweihundertsten Geburtstag eines Mannes, der die Fesseln des Galuth von ihnen nahm und als erster ihnen den Weg zeigte in die deutsche Bildung, Gesittung und Sprache. Moses Mendelssohn, ein kleiner Thoraschreibersohn aus Dessau, war der Wundermann, der aus verstreuten Haufen von „Träumern des Ghetto“ die ehrengeachteten Gemeinden „deutscher Bürger mosaischer Konfession“ erschmiedete.
Wir müssen seine Tat heute mit andern Augen ansehen, als mit den Augen des Zeitalters der Aufklärung (Haskala).
Um 1800 bildeten Juden und Parsen, als letzte Reste zweier uralter, über die ganze Erde hin zerstreuter Völker, eine Art Zwischenglied zwischen der allbesiegenden Willensmacht Europa — Amerika und der langsam untergehenden Gestaltenwelt des alten Afrika und Asien.
Das Ghetto war inmitten des alles zivilisierenden christlichen Staates ein Stück Romantik und Altertum. Unsre Gegnerschaft gegen die christliche Zivilisationswelt wurde unhaltbar. Sie war genau so vergeblich, wie der Widerstand der Indianer, Neger, Araber, Beduinen, Chinesen oder Hindu gegen die „Kultur“. An der Sonne „Kultur“ schmolzen die Vorweltvölker dahin. Der Widerstand, den die Juden leisteten, war nicht anders aufzufassen, wie etwa der Widerstand der alten Sachsen gegen ihre „Verchristlichung“ durch Karl den Großen. Weit über die Zeit Luthers hinaus werden denn auch die Juden immer zusammen genannt mit den „Heiden“. „Du bist ein Jude“, das hieß ursprünglich: „Du bist kein christlicher, sondern ein barbarischer und heidnischer Mensch.“ Die Entwicklung zur „modernen Kultur“ ist eben von der Geschichte des Christentums nicht zu trennen. Moses Mendelssohn räumte mit der jüdischen Vergangenheit auf, weil er (wie später Heinrich Heine das ausdrückte) für sein Volk „das Entreebillett zur europäischen Kultur“ haben wollte.
Weder Moses Mendelssohn noch seinem größeren Freunde Gotthold Ephraim Lessing erwächst ein Vorwurf aus ihrer naiven Hoffnung: die Unterschiede der Sitten und Religionen würden bald nur noch Abwandlungen sein einer einzigen, der ganzen Menschheit gemeinsamen „allgöttlichen Vernunftreligion“.
In diesem Sinne haben seither die Rabbiner des Westens auf ihren hohen Schulen und Seminaren das Judentum ausgedeutet und fortgebildet. Sie wünschten nicht mehr eine jüdische Nationalreligion. Sie wünschten, dass das Judentum Träger der universalen Lehre werde . . .
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An dem Tage, an welchem ich dies Buch vom Selbsthass zu schreiben beginne, stöhnen die Juden im Osten unter der Last einer schweren Kunde. In Jerusalem, im Gebiete des Haram ist vor der jüdischen Klagemauer ein Religionskrieg ausgebrochen. Er entstand, wie alle Kriege der Geschichte: indem überreizte Menschen einander sinnlose Worte zuwarfen, so lange, bis aus den sinnlosen Worten sinnlose Taten hervorgingen. Aber in diesen Taten entband sich ein lange aufgespeicherter Hass. Er kann das Werk des jüdischen Volkes bedrohen.
„Das Werk des jüdischen Volkes“: — die Auferstehung unsrer Heimat, schien gesichert zu sein! Denn auch die nüchternen Praktiker, welche keineswegs von einem Auszug Israels nach Palästina träumen, sondern sich als deutsch, französisch, englisch, italienisch oder sonstwie empfinden, waren für den Gedanken des Zionismus so weit gewonnen worden, dass sie zur Lösung der unlöslichen Judenfrage eine Aktionsgemeinschaft, die sogenannte Jewish Agency, begründeten. Da aber ereignete sich, was sich leicht auch künftig wieder ereignen könnte: Die eben gebauten, mit leidvollen Mühen dem Malariaboden abgetrotzten Dörfer und Farmen, die Pflanzungen, in denen jeder Baum das Leben eines Chaluz verkörpert, die Äcker, mit Schweiß und Tränen gedüngt, gingen in Flammen auf.
Artuf brennt. Ataroth brennt. Moza brennt. Arabische Banden steckten die Jerusalemer Villenvorstadt Talpioth in Brand und verwüsteten das Haus des Dichters Agnon. Die berühmte Jeschiwa in Hebron, die Talmudschule aus dem litauischen Slobodka, wurde überfallen. Waffenlose junge Schüler, vom Sohn des Rabbi geführt, flüchteten in den Betraum, wo sie, einer wie der andere, während sie das Sterbegebet sprachen, erschlagen wurden. Und alles geschah unter den Augen der Mandatarmacht. —
Was erwartet die Welt, daß wir Juden tun?
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