Volker Poley berichtet in der Rheinischen Post unter dem Titel „Nur kurz den Koran verteilt“ über die umstrittene salafistische Initiative „Lies!“. Der Hintergrund: Bärtige arabische Männer oder auch deutsche Konvertiten, verteilen Koranausgaben an Passanten in vielen deutschen Innenstädten. Finanziert wird die Aktion aus zwielichtigen Quellen, vermutlich zum Teil aus Saudi-Arabien. Mit dabei bekannte Prediger und auch Personen die als Hassprediger bezeichnet werden. Einige Unterstützer haben inzwischen das Land verlassen müssen, gegen andere sind Verfahren anhängend.

Wofür stehen diese Männer im Schlafrock eigentlich ein? Das vorläufige erklärte Ziel ist es hier, in diesem Land Wurzeln zu schlagen, die Bevölkerung von ihrem Glauben zu überzeugen und auch wenn nötig mit aller Kraft für ihre Überzeugungen einzustehen. Sie wissen, durch höhere Geburtenraten und den stätigen Nachzug aus dem Mittleren Osten, begünstigt durch das diesländische Sozialsystem spielt die Zeit für sie. Offene Gesellschaften stehen machtlos den gut organisierten und teils aggressiv auftretenden Salafisten gegenüber. Dabei erklären die Salafisten immer wieder, sie seien keine Abspaltung vom Islam, sondern würden nur einen besonders reinen Islam praktizieren. Ihr Fundament sind dabei die Worte ihres Propheten Mohammed, Erzählungen seiner Taten und eben das heilige Buch des Islams – der Koran. Einige hohe Vertreter dieser Strömung äußerten öffentlich, sie würden das deutsche Grundgesetz der Scharia – dem islamischen Religionsgesetz – unterordnen. Sie erklären, dass jeder Muslim die Gesetze des Landes in dem er lebt einzuhalten verpflichtet ist, solange diese nicht gegen den Islam verstießen. Was allerdings in Deutschland passieren soll, sobald aus einer muslimischen Minderheit mit vielen jungen und kampfbereiten Anhängern eine ebenso dynamische Mehrheit entsteht ist kein Geheimnis, sondern wird von Vertretern dieser Minderheit öffentlich artikuliert. Ungeachtet der „Ewigkeitsklausel“ im deutschen Grundgesetz Artikel 79 Abs. 3 GG werden auch hier im wahrsten Sinne Köpfe rollen, sollten die Verhältnisse in naher Zukunft kippen.

Gegen fremdländische Absonderlichkeiten, die als gleichwertige Alternative zur demokratischen Grundordnung unter dem Mantel der Glaubensfreiheit verkauft werden, kann die hiesige Gesellschaft nur zaghaft angehen. Um jungst einen deutschen Diktator mit österreichischen Wurzeln Ex zu schicken musste nicht nur Schönrederei betrieben werden, sondern sich die zivilisierte Welt die Hände schmutzig machen und die ein oder andere deutsche Stadt im Flammenmeer versinken. Willst du einen Irren aufhalten, musst du dich den Methoden eines Irren bemächtigen.

Für die salafistischen Anhänger und ihre zahlreichen Sympathisanten kann die demokratische Grundordnung eines zivilisierten Staates niemals eine Alternative und somit Konkurrenz sein. Demokratien konkurrieren nicht um das Recht anderen den Kopf abzuschlagen, Frauen zu verhüllen und sie den Männern untertan zu machen. Sie konkurrieren nicht um Deutungshoheiten religiöser Schriften, um Rituale und Geschichtsauslegungen, dies überlässt man Theologen und Wissenschaftlern, die frei sind in Ihrer Arbeit.

Ein deutscher Konvertit, der zum fundamentalistischen Islam gestoßen ist kann zur Demokratie nicht bekehrt werden, denn die Demokratie ist nur der Brutkasten und ob da ein Küken schlüpft oder ein feuerspuckender Drache, entscheidet der Brutkasten nicht – das ist im wesentlichen der Konstruktionsfehler. Wer sich leicht radikalisieren lässt, wer aggressiv und uneinsichtig ist, sucht nach Ventilen um seine Wut zu kanalisieren. Nicht selten bezeugen Konvertiten sie wären vor ihrer Konversion bösen Geistern, dem Teufel, der Spielsucht, dem Alkoholismus oder einem unkontrollierten Sexualtrieb verfallen. Viele prominente Prediger – das gilt interkonfessionell – behaupteten die oben aufgezählten Laster zu haben oder radikalisierten sich im Laufe ihrer Karriere stark.

Anders gesagt, Vernunft kann nicht mit Dummheit schritthalten, da beide Begriffe nicht Antagonisten des anderen sind und deswegen schreibt Volker Poley in der Rheinischen Post – ob bewusst oder unbewusst:

„Neben den Salafisten beteten Mitglieder der Evangeliumskirche.“

Später im Text:

„Die Konkurrenz war für die Salafisten aber auch denkbar stark an diesem lebhaften Samstag in der Duisburger Innenstadt. Wenige Meter vom Stand der „Salafisten warben Mitglieder der Evangeliumskirche „Glaubensgeneration“, mit einer tänzerischen Performance und Gebetsaktion für ihre Kirche und ihre Sicht in Glaubensfragen.“

Und schickt hinterher:

„Die Duisburger nahmen das Ganze offensichtlich mit Gelassenheit hin.“

Was vermittelt es dem Leser? Zweierlei. Weder die Salafisten, noch die untote Glaubengeneration sind in Duisburg angekommen. Ja die Salafisten, wie auch die christlichen Fundamentalisten sind in der Stadt. Die einen verteilen ein ihnen Heiliges Buch, dass Jesus degradiert. Die anderen verehren eben diesen Jesus als Gottheit und provozieren sich gegenseitig in der Innenstadt, während die wahren Duisburger mit Schulterzücken und Lächeln den Zirkus begaffen. Zwei fundamentalistische Gruppierungen streiten um ein Stück vom Kuchen, nicht viel mehr.

Nun könnte der Leser annehmen, dass die Glaubensgeneration nicht unbedingt in einem Satz mit den Salafisten genannt werden will, das Gegenteil ist der Fall. Walter Epp, der Pastoren Sohn mit einem Hang zur Dramaturgie bejubelt im Blog der Gemeinschaft „Gutes Wissen“ den Artikel der Rheinischen Post:

„[…] Da passiert es auch mal, dass die Zeitungen über die Gemeinde schreiben. Den letzten Hit (sic!) schaffte die Glaubensgeneration in der Rheinischen Post. […] Im Artikel der RP wird die Glaubensgeneration kurz erwähnt – und zwar als Konkurrenz zu den Salafisten, die in Duisburg-City den Koran verteilten.“

Der eine würde sich schämen, die Glaubensgeneration freut sich hingegen über die Publicity, denn das kennen auch die Salafisten: Eine schlechte Publicity gibt es nicht.

Beim Lesen der Gemeindeseiten, die übrigens auch vom Sektenbeauftragten und interessierten kritischen Stimmen beobachtet werden, fällt das stark negative Bild auf, welches über die Welt außerhalb der Gemeinschaft verbreitet wird. So schreibt Epp in seinem Beitrag „WAZ: Großenbaum ist „gut und ruhig“ – aber nicht Freitagabend“:

„Man sieht jeden Freitag und Samstagabend Jugendliche zusammenkommen, die neben dem Bahnhof einfach die Zeit totschlagen. Wenn einem langweilig wird, kauft er sich Drogen. Wenn es immer noch langweilig ist, dann kann man ja die Menschen angrölen, die gerade von der Bahn kommen. Eine Entwicklung, die nicht sehr erfreulich ist.“

Ein starkes Stück, gewöhnliche Jugendliche die sich in Bahnhofsnähe aufhalten zu kriminalisieren, sie als Drogenkonsumenten, ja als Asoziale zu beleidigen. Spricht da ein primitives Menschenbild aus dem Autor heraus, nach dem Motto wer nicht mit uns ist, der ist entweder Junkie oder hat keine Manieren? Vielleicht haben die Jugendlichen einfach keinen Bock auf christliche Fanatiker, die ihnen das Geld aus der Tasche und das Hirn aus dem Kopf ziehen wollen? Ein Rat könnte lauten: Jungs kauft euch lieber ein Bierchen, anstatt eure Zeit bei selbsternannten Gottesbotschaftern und ihren Schreiberlingen zu verbringen.

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