Cigdem Toprak liefert bei Achgut einen ausgezeichneten Beitrag über die Lebenswelt gut integrierter und gebildeter muslimischer Einwanderer:

Konflikte werden also auf höchstem akademischen Niveau ausgetragen, mit Beleidigungen, Provokationen und Fäusten. Wie oft waren Diskussionen in der Mensa oder in Seminaren unmöglich, weil man sich weder über den Armenien-Völkermord noch über das Kurdenproblem in der Türkei oder den Nahost-Konflikt, aber allen voran über den Islam streiten konnte. Diese Beispiele aus einem Uni-Alltag mögen harmlos sein, verdeutlichen aber, dass auch Akademiker mit Migrationshintergrund sich davor drücken, die ihnen von den Eltern, der Familie oder der Gemeinschaft vermittelten Weltbilder und Vorstellungen in Frage zu stellen.

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Je höher das Bildungsniveau, desto eher entwickelt sich die Bereitschaft zum kritischem Denken, garantiert wird sie dadurch aber nicht. Es ist sicherlich nicht einfach, sich irgendwann eingestehen zu müssen, dass in der eigenen Familie oder Gemeinschaft eine Form des Antisemitismus vermittelt wird, die man selbst angenommen hat.

Aus Voll integriert und klar antisemitisch. Oder: Bildung ist nicht alles, Achgut.de

Am 22. Juni 1910, vormittags, fand man den Studenten der Chemie Max Steiner aus Prag in seiner Stube im Norden Berlins auf seinem Bette tot. Er war angetan mit einem neuen Anzuge, den er sich für die Doktorprüfung hatte anfertigen lassen. Seine Vorexamina hatte er hinter sich, wollte noch promovieren und hatte seine Dissertation über Chemie der Riechstoffe bereits eingereicht. Die Berliner Fakultät hatte sie angenommen und hatte den 23. Juni zum Termin für die mündliche Prüfung angesetzt.

Zu seinen Wirtsleuten hatte der Student geäußert, daß er seinem Lehrer, Professor Emil Fischer, dem berühmten Chemiker, die übliche „Examenvisite“ abstatten wolle. Dann hatte er sich für die Visite angekleidet. Aber während des Ankleidens muss ihn plötzlich der Lebensüberdruss gepackt haben.

Er besaß Giftstoffe, mit denen er als Chemiker zu experimentieren gewohnt war. Ehe er das Gift nahm, hatte er einen kurzen Abschiedsbrief an seine Eltern geschrieben.

In dem Briefe bat er sie, zu verzeihen, daß er sein Leben freiwillig ablege. Einen eigentlichen Grund dafür könne er nicht angeben und habe auch keinen. Nie sei er so fröhlich gewesen wie jetzt in der Stunde seines Abscheidens. Er sei auch wegen seiner Prüfung ganz unbesorgt. Das hoffnungslose Leid alles Lebens laste auf ihm, nicht aber die Doktorprüfung. Sein Überdruss am Leben sei seine letzte Erkenntnis. Man möge ihm nun Ruhe gönnen.

Der Verstorbene, am 21. Mai 1884 geboren, war 26 Jahre alt geworden. Zwei merkwürdige Bücher von ihm waren im Verlage von Ernst Hofmann in Berlin erschienen. Sie hatten in Kreisen der Wissenschaft einige Bewegung ausgelöst.

Das erste Buch, 125 Seiten stark, war im Jahre 1905 herausgekommen und führte den Titel: „Die Rückständigkeit des modernen Freidenkertums. Eine kritische Untersuchung“. Das zweite, 244 Seiten starke Werk war im Jahre 1908 erschienen und trägt den Titel: „Die Lehre Darwins in ihren letzten Folgen“.

Es erregte Aufsehen, daß Houston Stuart Chamberlain, der damals meistgelesene Philosoph, an den ihm unbekannten Studenten den folgenden Brief richtete: „Dass selbst die bestgegründete Regel oder wie unser lieber alter Kant gesagt hätte — Maxime — nur durch die richtig angebrachte Ausnahme lebendigen Sinn erhält, merke ich heute, wo ich einem mir gänzlich unbekannten Autor schreibe, um ihm für Belehrung, Anregung, Genuss, ja Befreiung zu danken. Julius Wiesner, der Physiologe, machte mich auf Ihr Werk aufmerksam und trotzdem ich gerade mit Arbeit überhäuft bin, habe ich es gestern in einem Zuge Zeile für Zeile durchgelesen.

Spät erst kam ich ins Bett, denn ich konnte mich von dieser unerwarteten unverhofften Freude nicht trennen. Ginge es nach meinem Wunsche, so sollte das Buch bald in 200.000 Exemplaren verbreitet sein“ 12).

Obwohl also die Begabung des jungen Mannes in wissenschaftlichen Kreisen bekannt geworden war, so wussten doch nur wenige um den Toten. Und ähnlich wie bei dem freien Tode Otto Weiningers, ergingen sich die Zeitungen in unbestimmten Vermutungen über die Gründe seines Abscheidend. Die einen redeten von einer Examenneurose. Angst vor der Doktorprüfung solle den Studenten plötzlich überwältigt haben. Andere wiesen darauf hin, daß er ein einsames Leben geführt habe, abseits und asketisch, und daß er in der letzten Zeit infolge einer Zungenverletzung immer grämlicher geworden war.

Nur wenige Freunde kannten die Wahrheit. Einer dieser Freunde, Kurt Hiller, ordnete den Nachlass. Es fanden sich in ihm Bruchstücke zu einem dritten Werk: „Die Welt der Aufklärung“. Hiller sammelte diese Notizen und gab sie 1912 heraus mit einer Einleitung und mit einem Bilde Steiners aus dem Jahre 1903.

Aus dem Bilde blickt uns ein Jüngling an in starrer Haltung. Er ist steif eingezwängt in einen schwarzen Gehrock mit Seidenaufschlägen, in einen hohen Stehkragen und ein gestärktes Vorhemd. Er hat ein sehr junges Gesicht in eben beginnender männlicher Reifung. Es ist ein blonder kühler Typ. Auffallend wellig und stark das hellblonde Haupthaar. Aquamarinhell leuchten die blauen Augen. Seine Stirn ist so breit wie hoch. Klein und schmal ist die strenge Nase. Und streng auch sind die auffallend schmalen geschlossenen Lippen, darüber der Anflug des eben sprossenden Bärtchens liegt. Breites Kinn, großes Ohr.
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Bei einer Veranstaltung der “Franzosen für Gaza” in Marseille tauchten beim “Lied der Freiheit” pro-israelische Gegendemonstranten auf. Grund genug für die Palästinafreunde, die Israelfreunde als Mörder zu beschimpfen, “wir sind alle Palästinenser” zu skandieren und die israelfreundlichen Demonstranten zu verprügeln.

Die nach eigenen Aussagen “von der Israelfahne provozierten” Gaza-Unterstützer bezeichneten sich dabei als “Pazifisten”. Die Israelfreunde wurden verhaftet und das “Lied der Freiheit” weitergesungen.

Wir wollen hier alle Erklärungen, Protestschreiben, Aufrufe und Artikel zum Protest gegen die Konferenz am 07.Mai 2011 in Wuppertal sammeln (mit Ausnahme von Texten rechter Gruppierungen). Sollten Sie noch Material dafür haben, sind wir über eine Zusendung dankbar.

Näheres im Blog.