Als Antisemit wird gemeinhin jemand bezeichnet, der im engeren Sinne keine Juden mag. Diese besondere Sorte Mensch ist an keine Religion, keine politische Einstellung, Volk, Rasse oder Bildungsgrad gebunden. Besonders gern werfen Antisemiten Juden vor, dass diese bei brisanten Debatten gleich die „Antisemitismus-Keule“ schwingen, sich also hinter dem Begriff Antisemitismus und den damit einhergehenden, schrecklichsten Verbrechen verstecken und Ihren Gegner so als jemand ganz mieses darstellen. Sie werfen Juden vor sich eine Generalentschuldigung zurecht gelegt zu haben, für alles was mit Juden oder Israel zu tun hat. Wer die Antisemitismus-Keule schwingt, der entscheidet die Diskussion für sich, so behaupten es zumindest die Antisemit.

Mag es vielleicht stimmen, dass Juden diese Keule gerne schwingen, dennoch wittern Antisemiten diese auf Schritt und Tritt und zwar auch dann, wenn sie doch niemand als Antisemiten entlarven möchte oder überhaupt keine Diskussion für sich zu entscheiden versucht. So erging es mir, als ich einen kurzen Überblick über Rassistische und Islamistische Gruppen im “StudiVZ” gab. Hobby-Juristen erkannten unverzüglich eine Verleumdungs-Kampagne. Said Suleman wollte seinen Namen unkenntlich gemacht haben, sich jedoch nicht von seiner Aussage distanzieren. Mein Angebot eine Gegendarstellung von ihm zu veröffentlichen lehnte er mit der Begründung ab, dass er „schlechte Erfahrungen mit Israelis gemacht“ hätte und ich mich ja nur bei den „anderen Juden“ damit brüsten wolle. Karim Tarraf erklärte mir sofort, dass ihm seine Religion es verbietet, ein Antisemit zu sein und warf mir vor, ich würde diesen Begriff zu leichtfertig gebrauchen. Danach kamen noch einige Drohungen und juristische Träumereien, von Rechtschutzversicherungen, die einen Verleumdung-Prozess gegen mich finanzieren würden. Said träumte von Strafanzeigen gegen mich, weil ich seine volksverhetzenden Aussagen zitiert habe.

Nur einer konnte auf Grund der israelischen Besatzungspolitik nicht ruhig schlafen, Boris Hagel und weil Sharon, seit einem Jahr im Komma liegt und sonst kein Israeli in greifbarer Nähe war, sollte ich mich für „unsere“ Taten verantworten. Ungeachtet dessen, dass er, wie er später selbst zugab, meine politische Einstellung nicht kannte, stellte er mich vor die Wahl: Entweder ich erkenne die „klare Faktenlage“ an, akzeptiere, dass Israel faschistoid ist oder ich lehne die „Fakten“ ab, dann bin ich faschistoid. Als ich ihn dann fragte, ob ich diese Aussagen auch so veröffentlichen dürfe, schickte er mir eine bereinigte Version seiner Aussagen zu. Nun fehlten die Worte „Faschist“ und „Faschistoid“, die „Verunklimpfung“ blieb drin und da ich mich angesichts der Vorwürfe nicht äußern wollte, warf er mir wieder vor ich würde die Besiedlung palästinensischer Gebiete durch Israel leugnen.

„also ich weiß immer nicht, was in dir los ist. Du kannst doch nicht die brutale Landnahme Israels seit 1948 gutheißen. Aber andere verunklimpfen; die Faktenlage ist doch klar, diese zu verneinen, ist Geschichtsblindheit. Was willst du eigentlich ein Israel , dass mit der Unterdrückung der Palästinenser weitermacht? Sieht ganz so aus. So stiftet man aber keinen Frieden.“

Dreißig Minuten später sah er dann ein, dass es mit den Faschisten zu weit gegriffen war und ich solle jetzt endlich meine Meinung sagen, weil es sonst feige währe und überhaupt wollen ihn viele als Antisemiten überführen und schaffen es nicht. Schon davor, hatte er mich gefragt, ob ich denn eigentlich ein „Großreich Israel“ möchte. Was ich natürlich verneinte und ihm erklärte, dass wir Juden selbstverständlich kein „Großisrael“, sondern die Weltherrschaft wollen. In meiner Antwort erkannte Boris sofort ein „Antisemitisches Argument“, distanzierte sich auch davon und fragte mich wieder Sachen, auf die ich keine Antwort weiß.

Ich bin ein kleiner Mensch und komme aus der Ukraine, meine Heimatstadt liegt an der Grenze zu Polen und warum Israel den ganzen Sinai besetzt hatte und warum „sie immer mehr wollen“, kann ich ihm nicht beantworten. Es wären Vermutungen und Boris erklärte mir mehrmals, dass er nur harte Fakten akzeptiere.

Was ich auch machte, es gefiel Boris nicht und er kam endlich auf den Punkt! Die Besetzungen hätten „wir“ vielleicht lassen sollen und ich solle über eine Frau nachdenken, die ihr Kind verloren hatte. „Ganz einfach ein bißchen Selbsreflektion“, sonst wolle er nichts.

Kommen wir also zum Kern unserer Geschichte und fassen zusammen. Ich habe nicht behauptet, dass Boris, Karim oder Said Antisemiten waren. Ich hatte meine Meinung zu dem Nah-Ost Konflikt nicht geäußert und ich bin kein Israeli. Trotzdem soll ich mich von Israel distanzieren, soll „Selbstreflektion“ betreiben und soll unwiderlegbare Fakten bringen, wo es keine einfachen Antworten gibt, sonst wäre ich ein Faschist!

Mir als Juden, der sich bewusst zurück hält, wird doch die Antisemitismus-Keule doch regelrecht in die Hand gedrückt. Leute die so vorgehen, kann ich nur als „Pawlowsche Antisemiten“ bezeichnen. Sie sind so darauf trainiert Antisemitismusvorwürfe zu suchen, die einen bestimmten Reflex bei Ihnen auslösen, dass sie gar nicht mehr bemerken, in welche Ecke sie sich selbst gerückt haben.

Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber ich finde es empörend, mit welchen Mitteln man den „Dialog“, mit unpolitischen Menschen, erzwingen will. Es ist höchst beschämend, dass ein Gruppen-Moderator sich auf so eine Stufe stellt und die eigenen Gruppenmitglieder dermaßen provoziert.

Gerade in der Weihnachtszeit scheinen diverse Internetforen Irre buchstäblich anzuziehen, nicht anders ist es im Stundentenverzeichnis, einem Abklatsch der in den USA äußerst beliebten Studenten-Community „Facebook“. In Deutschland kam das „StudiVZ“ nicht nur wegen seines millionsten Mitglieds in die Schlagzeilen, sondern vor allem wegen zahlreicher Sicherheitslücken.

Mittlerweile scheinen diese jedoch geflickt zu sein und es kann in den tausenden von Gruppen (Diskussionsforen) weiter diskutiert werden. Darunter befinden sich zunehmend Gruppen mit islamistischen und teilweise rassistischen Inhalten. Einige Beispiele*: Boris Hagel (Uni Tübingen) betreibt die Gruppe „Israel-öffentlich-Kritisieren-können-Gruppe“, wobei er beklagt, dass „Israel immer noch mit Samdhandschuhen angefasst wird“ und der Zentralrat der Juden in Deutschland „jegliche Kritik an Israel unterbindet“. Wie Kritik an Israel aussehen könnte, beweisen die Mitglieder seiner Gruppe und sein eigenes vorgehen selbst. Während Antisemiten, in seiner Gruppe gegen Israel hetzen, Angriffe auf Israel loben und Selbstmordanschläge auf Schulkinder als „rechtmässig“ bezeichnen, werden schon mal den Islamismus verurteilende Beiträge gelöscht. In den anderen Gruppen geht es nicht ganz so subtil daher.

In der Gruppenbeschreibung der Gruppe „Zionismus ist Faschismus“ gegründet von Mostafa Mangal (Uni Dortmund), erfährt der Leser: „Der Zionist identifiziert sich selbst durch seine rassische Abstammung.“ und zieht daher den Schluss, dass „Zionismus = Rassismus“ ist. In der Gruppe „Mythos eines Völkermords – Die Armenienfrage“, lädt Emre A. (Uni Bremen) zu einer Art türkischen „Völkermord Konferenz“, wobei er die Opferzahl, des an den Armeniern verübten Genozids und diesen als solchen in Frage stellt, während andere von einer jüdischen Verschwörung gegen „türkische StudiVZ-Gruppen“ sprechen. Wer sich „Luft über seinen Ärger verschaffen!“ will, vornehmlich gegenüber Israel und USA, ist bei der Gruppe „Anti Israel und Usa!!“, von Can Günes (Uni Wuppertal) herzlich willkommen, denn schließlich haben diese beiden Staaten „viel Chaos, Krieg und das Sterben unschuldiger Menschen zu verantworten“. Die Gruppe „Kein Verständnis für Israel“ von Martin Süssenberger (Uni Bonn) spart sich die Gruppenbeschreibung und setzt lieber auf Bilder. Sein Gruppenbild zeigt einen israelischen Soldaten, der auf ein Kind zielt, dass sich hinter seiner Mutter zu verstecken versucht.

Die Moderatoren seiner Gruppe sind ebenfalls bestens für den Kampf gegen den zionistischen Feind gerüstet. Christina W. (HMT Rostock) ist anderen Mitgliedern als „übelste Antisemitin“ bekannt, bezeichnet die jüdische Selbstdefinition als „dummes Rassendenken“ und scheint die Schuldigen für den in den Palästinenser-Gebieten wütenden Bürgerkrieg bereits ausgemacht zu haben, „die westlichen Staaten“. Mit dem was in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland mit Juden passiert ist, geht sie ebenfalls kreativ um: „weder haben „die Deutschen“ den holocaust verschuldet, noch sind die heutigen Einwohner Deutschlands geschweige denn die in 100 Jahren lebenden dafür verantwortlich zu machen.“. Stattdessen soll jeder „jetzige Verbrechen verhindern helfen.“. Ein anderer Teilnehmer, Karim Hesham T. (TU München) scheint ebenfalls den Grund für den Aufschwung rechter Parteien ausgemacht zu haben. Er kam zu überraschenden Erkenntnissen, es sind nicht die arabischen Jugendlichen und Ihre Eltern, die sich nicht integrieren wollen und deswegen den Unmut der Deutschen auslösen, sondern es ist Israel, das nicht endlich einen Schlussstrich hinter die deutsche Vergangenheit ziehen will „der neuzugang in der npd ist auch daran zurückzuführen , das die ueberhaupt noch existiert .das gedankengut der nazis wird ja dadurch [Anm. Die Kritik Israels] behalten.“.

Auf einem Auge blind, so kommt mir das StudiVZ in diesen Tage vor.

 

*Im StudiVZ agieren Mitglieder mit ihren Realnamen. Die Mitglieder posten oder gründen Gruppen in Eigenverantwortung, ihre Namen sind für jedes Mitglied frei einsehbar. Allein diese Informationen wurden für diesen Artikel herangezogen.

Nachdem ich zum Geburtstag das Buch „Die Holocaust Industrie“ von Norman Finkelstein bekommen habe, worüber ich mich natürlich sehr gefreut hatte. Werde ich meinem christlichen Schenker auch ein Weihnachtsgeschenk machen.

Ich musste nicht lange suchen und entschied mich für Broders Buch „Der ewige Antisemit“

Ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel über Henryk M. Broder:

Broder kam 1958 mit seiner Familie nach Deutschland und lebte zunächst in Köln. Der spätere Journalist studierte hier Volkswirtschaft und Jura. Ende der sechziger Jahre arbeitete er in Hamburg – zeitgleich u.a. mit dem heutigen SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust und dem Fotografen Günter Zint – als Autor bei den St. Pauli-Nachrichten. In den 70ern schrieb er für das Satiremagazin Pardon. 1981 begann er kurzzeitig in Israel zu arbeiten, veröffentlichte aber weiterhin u.a. in Die Zeit, profil, Weltwoche und Süddeutsche Zeitung. In den 80er Jahren moderierte Broder u.a. zusammen mit Elke Heidenreich die SFB-Talkshow „Leute“ aus dem Café Kranzler in Berlin. Es entstand zudem eine Reihe von Büchern, die sich mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis auseinandersetzten. Broder unterstützte von Anfang an den Irak-Krieg und den Sturz des israelfeindlichen Regimes von Saddam Hussein. Innenpolitisch gehört Broder zu den schärfsten Kritikern einer von ihm als Appeasement bezeichneten unkritischen Haltung weiter Gesellschaftskreise gegenüber dem islamistischen Extremismus und Terrorismus.

1986 erhielt Broder den Hauptpreis des 5. Internationalen Publizistikwettbewerbs in Klagenfurt für die politische Satire „Das 12. Bundesland“. Im Jahre 2005 folgte der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen. Broder selber verleiht auf seiner Homepage den satirisch gemeinten Preis „Schmock der Woche“.

Broder ist Mitglied des publizistischen Netzwerks „Die Achse des Guten“. Meist täglich kommentiert er in dessen Weblog das Tagesgeschehen.

Was sich wie eine reißerischer BILD-Überschrift anhört ist ernstgemeint.

In der Nacht zum Freitag wurde der gebürtige Australier, Regisseur des Filmes „Die Passion Christi“ mit einem Promilewert von 1,2 und 140 Sachen auf dem Highway erwischt. Erlaubt ist ein Promilewert von 0,8 und eine Höchstgeschwindigkeit von 70Km/h.

Bei seiner Festnahme behauptete der Schauspieler: „Die Juden sind für alle Kriege in der Welt verantwortlich“.

Mel Gibson gehört einer radikalen katholischen Sekte an, sein Vater ist ein berühmter Antisemit und seinem Christus Epos wurden antisemitische Untertöne vorgeworfen.