Zeruya.Shalev-Fuer.den.Rest.des.Lebens.BuchОб авторе: Цруя Шалев родилась в 1959 году в кибуце на озере Кинерет в семье художницы иисследователя Библии. Она родственница известного израильского писателя Меира Шалева.

После армии, в которой она служила социальным работником, Цруя изучала в иерусалимском университете Библию. Когда вышла первая часть её любовной и семейной трилогии «Жизнь во время любви», она стала известна в Германии после того, как его энергично обсудил наш литературный апостол Марсель Райх-Раницки. Следующие книги «Мужчина и женщина», «Поздняя семья» и после долгого перерыва — новая работа «До конца жизни» зарекомендовали их автора эмоциональным фиксатором чувственной жизни человека. С 1993 г. Цруя находится в третьем браке с журналистом и радиоколумнистом Эялем Меггедом. У неё двое детей и один приёмный ребёнок. После ранения во время взрыва бомбы в 2004-м она душевно и физически осталась очень потрясённой.

В предлагаемом романе Цруя Шалев рассказывает, как сильно передаются через поколения душевные раны. Хемда Горовиц умирает, и в этом состоянии она совершает путешествие по своей жизни. Она — первый ребёнок, родившийся в кибуце на озере Хула в первые годы существования молодого Государства Израиль. Она почти не имела контакта с родителями, потому что дети росли в детском саду, будучи полностью оторванными от них. Её мать работала за пределами кибуца, так что отец строго, почти с принуждением занимался её воспитанием. Из-за этого у неё не смогло развиться к нему чувство любви. Будучи взрослой, Хемда влюбляется в одного сдержанного молодого человека, который прибыл в Израиль из Германии и который ждёт, полон трагической надежды, прибытия сюда своих родителей из Германии. Но когда становится ясно, что они никогда не приедут, он впадает в состояние глубокой безнадёжности.
Read More →

An dem Tage, an welchem ich dies Buch vom Selbsthass zu schreiben beginne, feiern die Juden im Westen ein frohes Fest: den zweihundertsten Geburtstag eines Mannes, der die Fesseln des Galuth von ihnen nahm und als erster ihnen den Weg zeigte in die deutsche Bildung, Gesittung und Sprache. Moses Mendelssohn, ein kleiner Thoraschreibersohn aus Dessau, war der Wundermann, der aus verstreuten Haufen von „Träumern des Ghetto“ die ehrengeachteten Gemeinden „deutscher Bürger mosaischer Konfession“ erschmiedete.

Wir müssen seine Tat heute mit andern Augen ansehen, als mit den Augen des Zeitalters der Aufklärung (Haskala).

Um 1800 bildeten Juden und Parsen, als letzte Reste zweier uralter, über die ganze Erde hin zerstreuter Völker, eine Art Zwischenglied zwischen der allbesiegenden Willensmacht Europa — Amerika und der langsam untergehenden Gestaltenwelt des alten Afrika und Asien.

Das Ghetto war inmitten des alles zivilisierenden christlichen Staates ein Stück Romantik und Altertum. Unsre Gegnerschaft gegen die christliche Zivilisationswelt wurde unhaltbar. Sie war genau so vergeblich, wie der Widerstand der Indianer, Neger, Araber, Beduinen, Chinesen oder Hindu gegen die „Kultur“. An der Sonne „Kultur“ schmolzen die Vorweltvölker dahin. Der Widerstand, den die Juden leisteten, war nicht anders aufzufassen, wie etwa der Widerstand der alten Sachsen gegen ihre „Verchristlichung“ durch Karl den Großen. Weit über die Zeit Luthers hinaus werden denn auch die Juden immer zusammen genannt mit den „Heiden“. „Du bist ein Jude“, das hieß ursprünglich: „Du bist kein christlicher, sondern ein barbarischer und heidnischer Mensch.“ Die Entwicklung zur „modernen Kultur“ ist eben von der Geschichte des Christentums nicht zu trennen. Moses Mendelssohn räumte mit der jüdischen Vergangenheit auf, weil er (wie später Heinrich Heine das ausdrückte) für sein Volk „das Entreebillett zur europäischen Kultur“ haben wollte.

Weder Moses Mendelssohn noch seinem größeren Freunde Gotthold Ephraim Lessing erwächst ein Vorwurf aus ihrer naiven Hoffnung: die Unterschiede der Sitten und Religionen würden bald nur noch Abwandlungen sein einer einzigen, der ganzen Menschheit gemeinsamen „allgöttlichen Vernunftreligion“.

In diesem Sinne haben seither die Rabbiner des Westens auf ihren hohen Schulen und Seminaren das Judentum ausgedeutet und fortgebildet. Sie wünschten nicht mehr eine jüdische Nationalreligion. Sie wünschten, dass das Judentum Träger der universalen Lehre werde . . .
Read More →

An dem Tage, an welchem ich dies Buch vom Selbsthass zu schreiben beginne, stöhnen die Juden im Osten unter der Last einer schweren Kunde. In Jerusalem, im Gebiete des Haram ist vor der jüdischen Klagemauer ein Religionskrieg ausgebrochen. Er entstand, wie alle Kriege der Geschichte: indem überreizte Menschen einander sinnlose Worte zuwarfen, so lange, bis aus den sinnlosen Worten sinnlose Taten hervorgingen. Aber in diesen Taten entband sich ein lange aufgespeicherter Hass. Er kann das Werk des jüdischen Volkes bedrohen.

„Das Werk des jüdischen Volkes“: — die Auferstehung unsrer Heimat, schien gesichert zu sein! Denn auch die nüchternen Praktiker, welche keineswegs von einem Auszug Israels nach Palästina träumen, sondern sich als deutsch, französisch, englisch, italienisch oder sonstwie empfinden, waren für den Gedanken des Zionismus so weit gewonnen worden, dass sie zur Lösung der unlöslichen Judenfrage eine Aktionsgemeinschaft, die sogenannte Jewish Agency, begründeten. Da aber ereignete sich, was sich leicht auch künftig wieder ereignen könnte: Die eben gebauten, mit leidvollen Mühen dem Malariaboden abgetrotzten Dörfer und Farmen, die Pflanzungen, in denen jeder Baum das Leben eines Chaluz verkörpert, die Äcker, mit Schweiß und Tränen gedüngt, gingen in Flammen auf.

Artuf brennt. Ataroth brennt. Moza brennt. Arabische Banden steckten die Jerusalemer Villenvorstadt Talpioth in Brand und verwüsteten das Haus des Dichters Agnon. Die berühmte Jeschiwa in Hebron, die Talmudschule aus dem litauischen Slobodka, wurde überfallen. Waffenlose junge Schüler, vom Sohn des Rabbi geführt, flüchteten in den Betraum, wo sie, einer wie der andere, während sie das Sterbegebet sprachen, erschlagen wurden. Und alles geschah unter den Augen der Mandatarmacht. —

Was erwartet die Welt, daß wir Juden tun? Read More →

Die Ereignisse der menschlichen Geschichte, diese nie abreißende Kette von Machtwechselzufällen und Willkürakten, dieser Ozean von Blut, Galle und Schweiss wäre unerträglich, wenn der Mensch nicht einen Sinn in all diese blinden Geschehnisse hineinzulegen vermöchte. Es genügt ihm durchaus nicht, alles Geschehen ursächlich begründet zu finden, er will vielmehr das Geschehen sinnvoll begründet finden, und wenn er fragt: „Was ist schuld daran?“, so liegt schon in der Frage ein moralisches Urteil.

Selbst dann also, wenn die Völkerschicksale „zufällig“ wären und wenn auch alles hätte anders kommen können, so würde doch der Mensch, nachdem es einmal so gekommen ist, von nachhinein das Geschehene immer sinnvoll und sittlich zu deuten unternehmen!*)

Dieses Sinnvoll-Machen auch alles sinnlosen und unsinnigen Leidens kann aber — (wie wir schon andeuteten) — auf zweierlei Wegen erfolgen. Entweder indem man dem „Andern“ die Schuld zuschiebt oder indem man die Schuld in sich selber sucht.

Es ist nun eine der tiefsten und sichersten Erkenntnisse der Völkerpsychologie, dass das jüdische Volk unter allen Völkern das erste, ja vielleicht das einzige Volk war, welches die Schuld am Weltgeschehen einzig in sich selber gesucht hat.

Auf die Frage: „Warum liebt man uns nicht?“ antwortete seit alters die jüdische Lehre: „Weil wir schuldig sind“ Es hat große jüdische Denker gegeben, die in dieser Formel: „Weil wir schuldig sind“ und in dem Erlebnis der Kollektiv-Verschuldung und Kollektiv-Verantwortung des Volkes Israel den innersten Kern der jüdischen Lehre erblickten.

Wir dürfen an dieser Stelle auf die Bedeutung der religiösen Kollektivschuld („Widduj“) nicht näher eingehen, aber es ist wichtig, dass der Leser spüre, wie in diesem Schuldbekenntnis, das die gewaltige jüdischchristliche Moral hervortrieb, auch der Schlüssel zur Pathologik unserer Volksseele zu finden ist 1).

In jedem jüdischen Menschen steckt sehr tief die Neigung: ein Unglück, das ihn trifft, als Sühne für eine Versündigung aufzufassen. Würde der Leser fragen, warum das so sei, so könnte ich an dieser Stelle nur hinweisen auf die schreckliche Tatsache, dass die jüdische Geschichte durch fast dreitausend Jahre nur eine Leidensgeschichte gewesen ist. Und zwar eine Geschichte hoffnungsloser, unablösbarer Leiden.
Read More →