Der SWR-Redakteur Claus Heinrich widmet sich Anfang Januar 2010 eine Viertelstunde der evangelikalen Bewegung. In der Sendung Kontext präsentiert er einen einführenden Beitrag zum Thema, eine Reportage über die pfingstlich-charismatische “Biblische Glaubens Gemeinde” in Stuttgart und ein Interview zu unserem Buch “Mission Gottesreich“.

Die Sendung ist auf den Internetseiten des Südwestrundfunks nachzuhören.

Im Fall der Jugendzeitschrift Q-rage hat Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher, jungst erklärt:

Grüner warnt vor Maßnahmen gegen „Schule gegen Rassismus“
Kein Nachgeben gegenüber dem Druck der Evangelikalen

Die Kritik an problematischen Entwicklungen in der evangelikalen Szene darf nicht tabuisiert werden. Die agressive Ablehnung der Homosexuellen und die heftige Befürwortung der Judenmission unter manchen Evangelikalen muss thematisiert und auch kritisiert werden können. Zur Demokratie gehört auch der Meinungspluralismus.

Man muss nicht jeden Satz in einem Artikel gut heißen, um die Pressefreiheit zu verteidigen. Journalistisch ist der umstrittene Artikel nicht zu beanstanden. Alle Tatsachenbehauptungen sind mit Quellen belegt, Wertungen sind als solche erkennbar.

Die Hinweise darauf, dass das Bundespresseamt dem Druck der Evangelikalen nachgeben könnte, sind Anlass zur Sorge. Zum wiederholten Mal versucht die Deutsche Evangelische Allianz ihre Muskeln zu zeigen. Es geht ihr um Macht und Einfluss.

Die Bundesregierung sollte die großartige Arbeit der zivilgesellschaftlichen Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nicht gefährden.

Ich habe deshalb heute folgende Schriftliche Frage an die Bundesregierung gerichtet:
„Will die Bundesregierung dem Druck („Der bizarre Kreuzzug zeigt den neuen Machtanspruch christlicher Hardliner““In diesem Kulturkampf streitet eine mächtige Lobby gegen zwei 18-Jährige“ Spiegel online 20.12.2008.)der Deutschen Evangelischen Allianz und der mit ihr verbundenen Organisationen nachgeben, die das Schülerzeitungsheft Q rage kritisieren, weil die zum Teil unter Evangelikalen problematische Haltung gegenüber Juden oder Homosexuellen und das von der Bundesregierung geförderte und umstrittene „Christival“ darin kritisiert wird, und in welcher Form wird und kann sich dies auf die Förderung und Arbeit der Initiative „Schwul ohne Rassismus“ und die Bundeszentrale für politische Bildung auswirken?“  Quelle: Voelkerbeck.de

Selten hat ein Politiker das Problem vieler evangelikaler Gemeinden, so offen angesprochen und spricht auch mir persönlich aus der Seele. Es ist sehr wünschenswert, dass die Politik in einem noch viel größerem Masse den Fundamentalismus und die mit ihm einhergehenden Menschenrechtsverletzungen bekämpft.

Unter dem Deckmantel von Integration und Jugendhilfe gehen evangelikale Christen nicht nur in Deutschland zunehmend auf Stimmenfang. In den USA stellen „neugeborene Christen“ über 22% der Wählerschaft dar und nehmen direkt Einfluss auf Politik und Gesellschaft. Doch auch hierzulande wächst die evangelikale Lobby und die Gemeinden verzeichnen starken Zulauf junger Menschen.

Den Einfluss fundamentalistischer Kräfte haben nun zwei Jungjournalisten der Schülerzeitung Q-rage zu spüren bekommen. Betreut durch SPIEGEL Online Redakteure berichteten sie unter dem Titel „Die evangelikalen Missionare“ über das „Christival“ in Bremen, wo tausende teils radikal-fundamentalistische Christen Seminare und Konzerte veranstalten durften.

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Kinder sind unsere Zukunft und da diese Zukunft geformt werden will, verstärken Fundamentalisten und andere Gruppen ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ihre Zielgruppen werden dabei immer junger und die Methoden immer ausgeklügelter. Die Scientology-Organisation bietet immer mehr Nachhilfekurse für Schulkinder und Jugendliche an, dabei soll das Wissen durch umstrittene Methoden vermittelt werden. „Dem Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. sind ältere Jugendliche bekannt, die berichtet haben, dass sie am Rande des Nachhilfeunterrichtes über persönliche Angelegenheiten befragt und denen scientologische Pseudotherapien empfohlen worden sind. In einem Fall sind sie direkt durchgeführt worden. Bücher hatten alle Teilnehmer gekauft.“ schreibt der in Essen ansässige Verein Sekten-Info NRW e.V. und rät zu besonderer Vorsicht.

In Duisburg verstärkt eine Organisation mit dem Namen „Glaubensgeneration“ ihr Engagement und spricht nun Kinder direkt über eine eigens dafür eingerichtete Webseite an. Unter GG-Kinder.de werden Online-Zeitungen mit Spielen und Comics angeboten, die das Interesse des noch jungen Publikums wecken sollen. Offensichtlich liegt das anvisierte Alter bei 8-12 Jahren. In der Ausgabe 3, wird durch ein Comic versucht Kinder zum Missionieren anderer Kinder zu bewegen. Systematisch werden Kinder mit Ängsten, Extremsituationen, Tod oder Unfällen konfrontiert, sie sollen sich taufen lassen, sich bekehren und ihre Sünden aufgeben, denn das ist der einzige Weg, um nicht dem Teufel zu verfallen, so die Autoren der Zeitung. Weiter sind Zeugnisse von Kindern abgedruckt, wobei Name und Alter vollständig angegeben sind und somit auch über Internetsuchmaschinen recherchierbar werden. Die Vermittelte Weltanschauung ist teils pseudo-religös, einige Passagen lassen auf magisches Glauben schließen, so soll aufgetragene Flüssigkeit in Verbindung mit einem Gebete vom Fieber befreien.

Einige Beispiele führen wir an dieser Stelle an, wobei die Nachnamen von uns entfernt wurden:

Als ich noch ohne Jesus lebte, war immer gemein und habe deswegen meine allerbeste Freundin verloren. Ich hatte ein halbes Jahr keine Freundin und hatte ein sehr schlechtes Zeugnis. Ich war selten krank, aber wenn ich krank war, war es immer etwas Unangenehmes. Als ich zum ersten Mal zur Kirche kam, fühlte ich sehr viel Energie. Ich fühlte, dass ich öfter hin wollte. Nach dem Tag als ich in der Kirche war, war ich wieder gesund. Ich hatte mehr Freunde und wurde sehr selten krank und so ist es geblieben. Ich danke Gott.

Christina (10 Jahre), Zeitung Nr.3

 

Gott hat mich von starkem Husten befreit und von Windpocken. Gott hat mich von Allergie geheilt. Ich danke Ihm dafür

Janet, Zeitung Nr.3

 

Als ich klein war, war ich oft krank. Ich hatte Fieber, Scharlach, Windpocken ….!
Eines Tages hatte ich 43°C Fieber. Meine Mama hatte für mich gebetet, aber es hat nichts geholfen. Dann hat sie einen Bekannten angerufen. Dieser brachte gesegnetes Öl mit und hat es mir auf die Stirn aufgetragen. Von einer auf die andere Sekunde war ich sofort vom Fieber befreit. Ich habe mir sofort ein Spiel genommen und gespielt.

Christina (11 Jahre), Zeitung Nr. 1

 

Ich heiße Nicol. Mein Leben hat sich sehr verändert. Ich wurde in der Schule besser. In Mathe hab ich fast keine Fehler. In Deutsch im Diktat 0 Fehler. Als ich lesen gelernt habe, habe ich die Bibel genommen und gelesen.

Nicol (8 Jahre), Zeitung Nr. 5

 

Es wird eine Doppelstrategie verfolgt, sind die Kinder erst an die jeweiligen Gruppierung gewöhnt, so ist es ein Leichtes auch an ihre Eltern heran zu kommen. Umgekehrt sind Eltern aus den jeweiligen Gruppen geneigt die reichhaltigen, an ihre Kinder gerichteten Angebote zu nutzen und ihre Sprösslinge in die Hände dieser Anbieter zu geben. Von einem leichtsinnigen Umgang mit weltanschaulichen Gruppen kann nur dringend gewarnt werden.

Weitere Informationen bekommen Sie auf der Webseite der Sekten-Info NRW oder an vielen Landeskirchlichen Stellen. Eine Übersicht liefert auch eine Aussteiger-Initiative.