In den letzten Jahren sind Freikirchen und Sekten wie Pilze aus dem Boden geschossen, allen gemein ist die oft und gern beworbene Israelsolidarität. Die Pastoren fliegen nach Israel, schmücken Ihre Gemeinderäume zu „besonderen Anlässen“ mit Israelflaggen aus und führen diese auch mal beim Ostermarsch mit sich mit. Ab und zu sprechen Sie von der grenzenlosen Liebe zu dem Staat Israel und den Juden, den Juden auch hier in Deutschland.

Mancheiner nimmt diese Drohung mit dem Blick zurück in den kirchlichen Antisemitismus oder dem in dem „Neuen Testament“ proklamierten Antjudaismus ernst, andere sind geneigt den Pastoren zu glauben, wenn sie sagen „Wir lieben euch Juden!“. Aber wann erkennt man einen echten Freund, wenn nicht in der Not? Wenn auf israelischen Boden täglich 100 Hissbolah Raketen niederprasseln, wenn jüdische Kinder sterben und das UN-Mitglied Iran unbehelligt einem anderen UN-Mitglied droht es zu vernichten, von der „Landkarte zu tilgen“, so müssen alle Christen, die behaupten Israel und die Juden zu lieben auf die Straßen gehen, um für Israel zu demonstrieren.

Am 30. Juli 2006 fand in Köln eine Pro-Israel Demonstration statt. Gekommen waren Mitglieder jüdischer Gemeinden aus Köln, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen und anderen Städten. Es kamen dutzende Menschen aus der Deutsch-Israelischen Gemeinschaft, türkische Verbände waren vertreten und sogar einige aus der deutschen Linken haben sich an der Domplatte versammelt, um ihre Solidarität zu bekunden. Nur eine Gruppe fehlte an diesem Tag. Es fehlten die Christen. Zwar sprach man vor dem Kölner Dom, wo unweit der Menge angeblich die Überreste der Heiligen 3 Königen bestattet liegen, doch kein Pfarrer, kein Bischoff und nicht mal einer aus den Freikirchen hielt eine Rede oder brachte ein Plakat mit. Nichteinmal eine der größten russischsprachigen Freikirchen aus dem Ruhrgebiet, die Glaubensgeneration war dabei. Keine Unterschriftenlisten, keine Reden, keine Plakate, man schweigt das Thema tod oder vielleicht doch nicht?

Nein, insgeheim sehnt man sich nach Gewalt in Nah-Ost, denn so die Aussage führenden Kirchenmitglieder, sind der Holocaust und die nun stattfindende Gewalt Vorboten Jesu. Und je mehr die Juden verfolgt werden, desto schneller kommen Sie zum Glauben an Ihn. So ist es nicht verwunderlich, wenn Alexander Epp öffentlich erklärt „Die Juden werden solange verfolgt werden, bis sie Christus als Ihren Gott annehmen“.

Und die Juden für Jesus und ihr Europa-Chef Avi Snyder, wo war er an diesem Sonntag oder an dem Freitag zuvor? Missionierte er eigenhändig Juden, stülpte sich seine lächerliche Mütze über den Kopf und verteilte Handzettel in der Berliner Fußgängerzone oder ließ er wie schon so oft einen klar antisemitischen Film über den Holocaust, der als Strafe Gottes über die Juden dargestellt wird, in der Ukraine zeigen? Ich weiß es nicht, in Köln war er jedenafalls nicht. Und Leonid, der Jude für Jesus aus der Stadt Essen, warum lässt er seinen Sohn das Plakat mit der Aufschrift „Juden für Jesus / Deutsche für Jesus“ nicht auch in Köln oder Berlin tragen und hebt es sich stattdessen für den Ostermarsch mit fundamentalistischen Christen auf?

Das sind die Fragen die ich mir dieser Tagen stelle. Was soll das für ein Gott sein, denn uns die Juden für Jesus und ihre Freunde verkaufen wollen? Ein Gott der Liebe ist es jedenfalls nicht.

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